Neuntes Kapitel.
Banken und Börsen.
I. Die Banken.
Dem Wanderer, der durch die Straßen der Friedrichsstadt inBerlin aufmerksamen Blicks seine Schritte lenkt, wird eine Reihemächtiger, ganze Viertel einnehmender Gebäude in die Augen fallen,die dort zumal im letzten Jahrzehnte großen Festungen gleichemporgewachsen siud. Auf riesigen Quadern ruht der gewaltigeBau, zu dem breite Sandsteintreppen hinaussühren. Die Hallenglänzen in buntem Marmor und goldenen Verzierungen. GanzeFluchten von Kontors füllen die Stockwerke, in deren Mittenelegante Sitzungssäle und vornehm ausgestattete Empfangsräumedie Auserwählten aufnehmen. Auf den Korridoren begegnen sichdie höchsten Würdenträger des Staates; aber sie haben in diesenRäumen nichts zu befehlen, in denen Könige antichambrieren, umsich den Entscheid über Leben oder Sterben zu holen. Das sinddie neuen Mittelpunkte der Welt: Neu-Sanssouci , Neu-Versailles.
Die modernen Großbanken. Die Zwingburgen des Kapitalismus,der in ihnen nicht als altersschwacher Greis, sondern als macht-strotzender Jüngling für Generationen und aber Generationen dieHerrschaft über uns alle angetreten hat, die wir arme Hascherlnsind mit unsern Paar Ideen uud unsern paar „unpraktischen"Kenntnissen. Wer nun aber etwas aussagen wollte über den Gangdes Wirtschaftslebens im neunzehnten Jahrhundert und würdenicht an den Anfang seiner Darstelluug diese Gebilde stellen, indenen sich gleichsam der Geist der neuen Wirtschaft rein verkörpert,
von allem vorkapitalistischen Beiwerk gereinigt, der dürfte von
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