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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Begriff und Entstehung der Effekten.

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keit vieler Banken und Bankiers bildet, das ist das, was man ineinem weiteren Sinne den Effektenhandel nennen kann. Umdiesen jedoch in seiner ganzen Bedeutung, die er heutzutage fürdas Bankgeschäft besitzt, ermessen zn können, ist es nötig, uns überWesen nnd Umfang des sogenannten Kapital- oder Effektenmarktesim allgemeinen einige Kenntnis zu verschaffen.

Um eine deutliche Vorstellung von dem kunstvollen Mechanis-mus eiuer großen deutschen Bank an der Jahrhundertswende zugeben, bringe ich in der Anlage 6 den Jahresbericht der Dres-dener Bank für 1900 auszugsweise zum Abdruck. Ich wählegerade diese Bank, nicht etwa, weil ich Mitglied des Aufsichtsrat5bin oder sonst ein besonderes Interesse gerade für dieses Unter-nehmen hätte, sondern weil mir die Anordnung des Stoffs amübersichtlichsten erscheint. Im großen ganzen ist die Struktur allerGroßbanken Deutschlands dieselbe wie die der Dresdener Bank.

II. Der Effektenmarkt.

Unter Effekten oder Fonds versteht man im wesentlichen ver-tretbare Wertpapiere, zu Vermögensbezügen berechtigende Rechts-urkunden, die nicht ein Rechtsverhältnis zwischen bestimmten Per-sonen begründen, sondern nur ein folches zwischen dem zufällige»Inhaber des Titels und einer dritten Person, weshalb der Juristsie als Jnhaberpapiere, t-itres an purteur zu bezeichnen Pflegt.Sie sind, zumal in Deutschland , mit verschwindenden Anonahmenerst im neunzehnten Jahrhundert in Ubnng gekommen und sindder Ausdruck eines Entwicklungsprozesses von tiefgehender Be-deutung, den die wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnisse währenddieses Zeitraums durchgemacht haben.

Es handelt sich, wie ersichtlich, darum, daß auch die Vertrags-verhältnisse, die die Geldbesitzer anteilsberechtigt ans die Wert-bezüge aus ihrem Vermvgensbesitz machen, eine Versachlichnngerfahren haben; daß an die Stelle qualitativ gefärbter persön-licher Beziehungen das unpersönliche, weil rein quantitative Geld-verhältnis getreten ist. Es sind also ganz analoge Vorgänge zuden Wandlungen, die wir in dem Verhältnis des Menschen zur