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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Das börsenusancemäßige Liefenmgsgeschäft sder Terminhandel). 243

usancemäßigen Lieferungshandels. Man versteht darunterbekanntlich Geschäfte, bei denen die Bestimmungen über Quantität,Qualität und Lieserzeit der willkürlichen Festsetzung durch die Ver-tragschließenden entzogen und ein sür allemal durch Börsenfatzungfestgelegt worden sind. Wie weit der Terminhandel dem effektivenHandel dient, ist eine vielerörterte und bis heute noch nicht ein-wandssrei beantwortete Frage. Unbestritten scheint mir zweierlei zusein: daß sich auch der Händler iu effektiver Ware oder der Pro-duzent gern gelegentlich des durch deu Terminhandel begünstigtenreinen Differenzgeschäftes zum Zweck der Versicherung gegen Preis-verschiebungen bedient, und dann: daß eiue Terminbörse zweifelloseine starke Anziehung auf den Efsettivhaudel ausübt, iusofern alsoeinem Platze oder einem Lande volkswirtschaftlich nützen kann.Ebenso unbestritten ist sreilich, daß das Termingeschäft überwiegenddem Börsenspiel uud uicht dem tatsächlichen Güterumsatz dient.In diesem Falle ist es nur eiue Form, in der stumpfsinnige Geld-männer oder geldlüsterne Außenseiter hasardieren können in einemLande, das kein Monte Carlo hat, und interessiert den National-ökonvmen gar nicht mehr. An welchen Börsen Anfang der 1890 erJahre sich ein Warenternünhandel entwickelt hatte, ist aus derZusammenstellung in Anlage 12 ersichtlich. Das Börsengesetz vvm22. Juni 1896 hat in § 48 den börsenmäßigen Terminhandel inGetreide und Mühlensabrikaten, eine Vervrdnung des Bundesratsvom Jahre 1899 denjenigen in Kammzug untersagt. Daß durchdiese Verbote der effektive Haudel in den genannten Artikelnwesentlich berührt worden sei, wird sich nicht nachweisen lassen.Der börsenmäßige Terminhandel scheint in Deutschland überhauptnoch keine übermäßig große volkswirtschaftliche Bedeutung erlangtzu haben, abgesehen vielleicht vom Kaffeeterminhandel in Hamburg ,das sich dadurch gegen die Übergriffe Hävres uud Antwerpens , derbeiden andern großen Kaffeehandelsplätze Europas , mit Erfolggewehrt hat. Der Kaffeeimport Hamburgs stieg vou 930 774 ä-iim Durchschnitt der Jahre 1881 bis 1890 auf 1712314 62 imDurchschnitt des Jahrfünfts von 1896 bis 1900. Wie viel vondieser Zunahme dem Terminhandel zn gute kommt, wird sich sreilichniemals mit Sicherheit feststellen lassen.

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