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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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269
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Neugruppierung d. Waren i, d. Verkaufsstätten: Differenzierung. 269

Zahl der vorhandenen Artikel möglichst anzunähern. Man kannin diesem Fall von einer Konzentrierung der Nachfrage oder einerJntensivisierung des Warenvertriebs reden. Aus diesen allge-meinen Erwägungen heraus ergeben sich dann vornehmlich folgendedrei Tendenzen:

1. Qualitative Differenzierung derDetailhandlungen,d. h. eine Scheidung des ehemaligen Durchschuittsgeschäfts iu dasQualitätswarengeschäft auf der eiuen Seite, das Schund- oderMassenartikelgeschäft aus der andern Seite. Damit vollzieht dieHandelsorganisation nur die Anpassung an die in der Kvnsnm-gestaltung heutzutage vor sich gehende Differenzierung. In demMaße, wie mit wachsendem Reichtum sich der sogenannte Luxusverallgemeinert, d. h. nach Form oder Stoss kostbare Gegen-stände in größeren Massen nachgefragt werden, ist es ganz selbst-verständlich, daß eine Vereinigung dieserLuxusgegenstände" iudementsprechend elegant hergerichteten Verkaufsräumen für diedementsprechend verwöhnte Kundschaft unter Ausscheidung allerminderwertigen Wareu erfolgt. Das Qualitätswarengeschäft istauch allein imstande, sich den Anforderungen der Grundrenten inden bestgelegenen Straßen uuserer Großstädte auszusetzen; es ver-mag diesen Zoll zu zahlen, weil seine Kundschaft ohne weitereszu jeder Mehrleistung in beliebiger Höhe bereit ist, wenn sienur ihr Kuvee oder ihren Dog-cart in einer anständigen Straße,vor einem eleganten Magazine halten lassen kann. Und ebensonatürlich ist es, daß in dem Vorstadtladen, wo nur noch dieProletariersfrau oder die verwitwete Postsekretärsgattin ihre Ein-käufe macht, von vornherein jeder Gegenstand ausgeschieden wird,der auch nur entfernt an echten Stoff oder gediegene Machart er-innert, damit ja kein Stück über das Mindestmaß von KaufkrastHinansrage. Dieser Differenzierungsprozeß ist dann ganz wesentlichgefördert durch die Fortschritte unserer modernen Produktions-techuik. Es mußte das Kunstgewerbe erst jene hohe Entwicklungs-stufe erreichen, die wir es heute einnehmen sehen, damit die Quali-tätswarengeschäfte ihre Gestelle füllen konnten, und es mußte dierastlose Massenprodnktivnstechnik erst jenen fabelhaften Grad vonLeistungsfähigkeit sich errungen haben, der sie befähigte, zu den