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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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307
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Die Herausbildung der hochkapitalistischen Seeschiffahrt. 307

keit ihrer Anteile. Die alte Schiffsparte war unveräußerlich; ihrBesitz schuf eine dauernde Beziehung zwischen dem Geldgeber unddem Schiff, an dessen Wohl und Wehe er Anteil nahm. Die Aktieist ein Jnhciberpapier, meist im Börsenhaudel verwertbar. Eswechselt den Besitzer, der keinerlei Persönliche Beziehung mehr zuirgend einem individuellen Schiffe hat.

Emil Fitger , dem wir die neueste vorzügliche Darstellung dermodernen Seeschiffahrt verdanken (veröffentlicht in den Schriftendes Vereins für Sozialpolitik, Band 103), hat darauf hingewiesen,wie sich dann im Laufe der letzten Jahrzehnte allmählich eineVeränderung in der Beschaffenheit der Eigner von Schiffahrtsaktienvollzieht; während ursprünglich das Kapital auch der größerenRhedereiunternehmungen in den Seestädten selber aufgebrachtwurde, uimmt in wachsendem Umfange jetzt das Binnenland undwohl auch das Ausland an seiner Beschaffung teil: die großenBerliner Banken übernehmen die Emissionen der Anleihen undder neuen Aktien, die nun entweder über die ganze Erde verstreutwerden oder iu den Portefeuillen der Großbanken zurückbleiben.Sitzen doch bereits deren Vertreter in den Berwaltungsräten dergroßen Schifsahrtsunternehmungeni damit ist die höchste Stufekapitalistischer Organisation, die ganz abstrakte, völlig unpersön-liche erreicht.

Ersichtlich ist nun aber, welche befruchtende Wirkung auf dieRhederei dieser Gang der Dinge ausüben mußte. Der breite Stromdes Kapitals floß jetzt erst recht in ihren Schoß. Um eine Vor-stellung von der gewaltigen kapitalistischen Expansion zugewinnen, die die deutsche Seeschiffahrt in der zweiten Hälfte desneunzehnten Jahrhunderts erfahren hat, genügt ein Blick auf dieZiffern der Anlage 26. Im Jahre 1839 ruft der alte Sloman dieerste hainburgischeDampfschiffahrtsgesellschaftlHanseatischeD.-Ges."iins Leben, deren gesamtes Aktienkapital etwa 300 000 Mark Bankobetrug, und es erregte, berichtet uns der Sohn, damalsall-gemeines Staunen in Hamburg , wie mein Vater es wagen konnte,für das Unternehmen die Summe von 75 000 Mark zn zeichnen."Am Schlnsse des Jahrhunderts verzeichnet das BureauNeritas"

115 deutsche Rhedereien für eiserne Segelschiffe und 256 Dampf-

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