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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Das Gewerbe.

arbeiteten Rohstoffe nicht mehr, wie ehedem, im eigenen Lande,sondern in der Fremde als landwirtschaftlich tätige Personengezählt werden. Natürlich muß Teutschland die Rohstoffe, die esvom Auslande bezieht, kaufen, was znm Teil mit Jndustrie-erzeugnissen geschieht: neuer Grund zur Vermehrung der gewerb-liche!? Produzenten, lind endlich haben auch die Vertreter dergemeinen Meinung zum kleinen Teile recht, wenn sie behaupten,nur kauften unsere Nahrungsmittel, die wir ehedem im eigene»Lande gewannen, heute mit gewerblichen Erzengnissen vom Aus-tande, wie ebenfalls später noch ziffernmäßig nachzuweisensein wird.

Aber eiueu allerbedentsamsten Grund, weshalb es mit Not-wendigkeit immer mehr gewerbliche Produzenten geben mußdiesmal wieder ohue jede iuteruationale Handelsbeziehung, auchimgeschlossenen",isolierten" Staate, und diesmal sogar ohnedie Voraussetzung steigender Produktivität der landwirtschaftlichenArbeit habe ich nun erst noch namhaft zn machen. Er liegt ein-geschlossen in jener Verschiebung der Bedarfsdeckung, wie sie im neun-zehnten Jahrhundert durch die eigentümliche Entwickelung der ökono-mischen Technik eingetreten ist, jener Ersetzung organisierterMaterie durch uuorgauisierte, die wir als einen Grnndzug dergesamten technischen Evolution festzustellen in der Lage waren. Wirsahen, iu welchem beträchtlichen Umfange namentlich das Eisen stattdes Holzes, des HanfeS, des Leders und anderer Stoffe aus organi-sierter Materie heutzutage Verwendung findet (über die Steigeruugder Eiseu- uud Stahlproduktion in den letzten Jahrzehnten unterrichtetAnlage 31)-. in welchem beträchtlichen Umfange der tierische Motordurch den Dampf und die Elektrizität ersetzt ist, ebenso wie derlebendige Pflanzenheizstoff durch die toten Wälder der Vergangen-heit: in welchem beträchtlichen Umfange die chemisch hergestelltenStosse, vor allem die Farben, aber anch Arzneien, Genußmittel usw.pflanzliche nnd tierische Erzeugnisse verdrängt haben. Nun ist eshandgreiflich, daß alle diese Vorgänge wiederum eine Vermehrungder gewerbliche!? Produktion im Gefolge haben mußten: das Eiseu,aus dem heute Schiffe, Brücken, Häuser erbaut werden, beschäftigttausend uud abertausendgewerbliche" Arbeiter, während ehedem daS