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Das Gewerbe.
mals bedeutendsten Schuhmacherstadt Preußens , bereits 5 Schuh-warenfabrikeu, oder wenigstens Großbetriebe, mit zusammen 148 Per-sonen, und ähnliche Ziffern werden uns für jene Zeit aus Kalau,Mainz und Frankfurt a/M. berichtet — während heute die kapita-listische Schuhmacherei (und das ift für Neuarbeit sicher der beiweitem überwiegende Teil des gesamten Schnhmachergewerbes) fastausschließlich fabrikmäßig betrieben wird, hat die Schneiderei vonjeher und bis heute noch eine besondere Vorliebe für hausindustrielleOrganisation an den Tag gelegt.
Die Aufäuge der Kvnfektionsschneiderei reichen in Deutsch-land in die 1840 er Jahre zurück. Gerson, eines der ersten großenKonfektionsgeschäfte, ist 1842 begründet. 1852 beschäftigte esschon 5 Handwerksmeister, 3 Direktricen, 120 bis 140 Arbeiterinnenin der Werkstatt, 150 Meister mit je 10 Gesellen außer deniHause, 100 Kominis, Aufseher usw. im Verkaufslokal. Ende der1840 er Jahre unternimmt die Berliner Kleiderkonfektivn ihrenersten schüchternen Schritt aufs Land. In München wurde dieBefugnis znm Verkauf fertiger Kleider erst 1847 freigegeben.Nun erst entstanden große Kleiderhandluugen. Nebenbei bemerkt:diese ersten Äußerungen kapitalistischen Lebens im Gebiet derBekleidungsgewerbe erfolgten ohne jede Veränderung der Techniki1854 kommt die erste Nähmaschine nach Deutschland , die übrigensauch nur wenig Einfluß auf Betriebs- und Wirtschaftsorganisationausgeübt hat. Würde sie doch jedem Handwerker ohne weitereszugänglich sein. Hier wie in tausend anderen Fällen sind es ganzandere Dinge als die veränderte Produktionstechnik, die dem ge-werblichen Kapitalismus zum Siege verholfen haben.
Heute ist die Konfektion einer der wichtigsten Zweige desgewerblichen Kapitalismus in Deutschland geworden. Und zwarruht sie im wesentlichen noch heute auf der hausindustriellenOrganisation, mir daß in der Kleiderkonfektion häufig zwischenden Heimarbeiter und das Konfektionshaus „Zwischenmeister"treten, die dann die einzelnen Arbeiter oder Arbeiterinnen ineigenen kleinen Werkstätten zu sechs, zehn, fünfzehn vereinigen.Über die Verbreitung und Ausdehnung dieses wichtigen Industrie-zweiges teile ich noch folgendes mit: