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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Das Gewerbc.

mählich. Es erscheinen dann Zwischenstufen zwischen dem Jndi-vidnalbetriebe des einzelnen Arbeiters oder eines Arbeiters undseiner Gehilfen uud der Fabrik. Die Arbeiter sind schon in Groß-betrieben zusammengeschlossen, aber üben ihre Tätigkeit zum Teilnoch in handwerksmäßiger Weise, wenn auch vielleicht schon aufGrund einer weitgehenden Spezialisierung der einzelnen Teilver-richtungeu aus: Typus der Stecknadelversertignng, wie sie AdamSmith beschreibt, der Schuhwarcnindustrie vor Eiuführung derSohlenuähmaschine, der großen Webereien, in denen die Webstühlenoch nicht mechanisch angetrieben werden. Solche gesellschaftlichenGroßbetriebs in denen wesentliche Teile des Produktionsprozessesnoch durch Handarbeit ausgeführt werden, nennen wir Manufak-turen, Sie bilden in den genannten Fällen also Vorstufen zurFabrik, und stellen eine Form der Betriebsorganisation dar, dieunvollkommener als jene ist. Wir können verfolgen, wie derKapitalismus während des neunzehnten Jahrhunderts auch diesenFortschritt: von der Manufaktur zur Fabrik in zahlreichen Jn-dustrieeu vollzieht.

Nun wäre es aber irrtümlich, anzunehmen, daß die fabrik-mäßige Organisation in allen Fällen die höchste Form der Betriebs-anordnung darstellte. Diese kaun vielmehr unter Umständen auchin manusakturmäßiger Gestaltung den höchsten Grad der Voll-kommenheit erreichen. Das trifft dort zu, wo die Güterherstellungdauernd in wichtigen Abschnitten der individuellen Betätigungdnrch deu einzelnen Arbeiter unterliegen soll; wo es sich alsoum Ausübung von künstlerischer oder besonders schwieriger Hand-arbeit handelt, wie beispielsweise in der Porzcllanwarenbereitnng,in der Bronzewarenerzeugung, in der Herrichtung von Kunst-möbeln mit Schnitzereien, Intarsia oder dergleichen, mit einemWort, in der Sphäre aller eigentlich kunstgewerblichen Tätigkeit.Hier gewährt zwar auch der Großbetrieb überragende Vorteile, dochheischt seine zweckmäßige Verwendung die Freilassung bestimmterhandwerksmäßiger Vornahmen. Deshalb bleibt hier die Manu-faktur der höchste Ausdruck der Betriebsorganisation, ebenso wie injenen andern Fällen es die Fabrik ist. Es ist gerade anch eineder genialsten Leistungen des modernen Kapitalismus, die Kunst-