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Die Landwirtschaft,
So flüchtig diese Bemerkungen waren, so werden sie doch,denke ich, dazu beigetragen haben, das Verständnis zu wecken fürdaS, was nun in darstellender Form von den Zuständen undVorgängen im Gebiete der deutschen Landwirtschaft im neunzehntenJahrhundert zu berichten sein wird. Sie werden das Staunenmindern helfen, wenn ich diese Darstellung mit der ersten wichtigenFeststellung beginne: daß sich in der äußeren Struktur derdeutschen Landwirtschaft während des verflossenen Jahr-hunderts überhaupt so gut wie gar nichts verändert hat.
In der Anlage 42 (der als Ergänzung die Ziffern der An-lagen 43 und 44 dienen), findet der Leser einen Überblick überdie Verteilung der verschiedenen Organisationsformen der Land-wirtschaft über die einzelnen Gebietsteile Deutschlands . Was dieamtliche Statistik, der diese Angaben entnommen sind, uns bietet,ist eine Betriebsstatistik, also weder eine Statistik der Besitzgrößen,noch eine solche der Wirtschaftseinheiten. Ein schlesischer Magnat,wie der Fürst von Pleß, der 150 764 Morgen besitzt und diesenBesitz von einer Stelle aus (also in einer Wirtschaft) ver-walten läßt, erscheint nicht als solcher in der Statistik, die viel-mehr seine zwanzig oder dreißig einzelnen Güter (Betriebseinheiten)verzeichnet. Immerhin ist das Bild ein annähernd deutliches, daswir durch die Ziffern der Statistik von der äußeren Struktur derdeutschen Landwirtschaft am Ende des Jahrhunderts empfangen.Wir fehen in ganz groben Umrissen die Hauptgebiete sich von ein-ander sondern: eines mit starkem Anteil des Großgrundbesitzes,also gutswirtschaftlich organisiert: das Gebiet östlich der Elbe, ob-wohl mau sich von der Bedeutung des Großgrundbesitzes selbst indiesen Gebietsteilen keine übertriebene Vorstellung machen darf.Betriebe mit mehr als 200 d.s. (800 Morgen), für jene Gegendendoch wohl die Mindestgröße eines „Gutsbetriebes", uehmen inOstpreußen, Westpreußen und Brandenburg noch nicht ein Drittelder Gesamtfläche ein, in Schlesien und der Provinz Sachsen nochnicht ein Fünftel und nur in Posen und Pommern umfassen sieknapp oder gerade (mit 47.14 und S0.39°/<,) die Hälfte der Ge-samtfläche. Der Rest entfüllt auf bäuerliche Wirtschaften, die alsoin keiner Provinz weniger als die Hälfte, im größeren Teil von