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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Die Verbesserung der Anbauweise,

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gestaltung der Landwirtschaft während des verflossenen Jahr-hunderts vollzogen haben.

Die starke Abhängigkeit, in der fich die Landwirtschaft vonder Mitwirkung der Natur befindet, bringt es mit sich, daß derSchwerpunkt aller Betriebsfortschritte immer in der Verbesserungder Anbauweise liegen wird, d, h. der vollkommeneren Beherr-schung der natürlichen Wachstnmsprvzesse. Wir wissen ans deinKapitel über die Technik, daß die Wissenschaft in dieser Hinsichtder Landwirtschaft während des neunzehnten Jahrhunderts ganzneue Wege gewiesen hat. Worauf es nun ankam, war: dieGesetze der Pflauzeneruährung durch eine sinngemäße Betriebs-anordnuug in der Wirklichkeit zn voller Entfaltung zu bringen.Das geschah in erster Linie, wie bekannt, durch eine Verbesserungder Fruchtsolge: an Stelle der alten, den Boden zwar erschöpfenden,aber doch ihu nur wenig ausnützenden Körnerwirtschasten (derentypischer Vertreter die Dreifelderwirtschaft war) trat die Frucht-wechselwirtschaft, die auf dem Grundsatze regelmäßigen Wechselszwischen Halm- und Blattsrüchten beruht. Sie ist heute, darfman annehmen, das herrschende Anbausystem auf den weitausmeisten großeu Gütern, die hie nnd da schon im Begriffe sind,zursreien Wirtschaft" überzugehen, hat aber auch in zahlreichenbäuerlichen Betrieben, wenigstens dort, wo die Zusammenlegungder Grundstücke erfolgt ist, heute bereits Eingang gefuudeu.

Die Vermehrung des Viehfutters infolge stärkeren Anbausvon Futterpflanzen führte zu einer Vergrößerung des Vieh-bestandes, diese wiederum ergab die Möglichkeit reichlichererDüngung. Aber damit nicht genug: man hat die Düngerzufuhrdurch Einführung der Gründüngung, sowie durch Verwendungkünstlicher Dünger noch weiter gesteigert, wie aus den Ziffern sichentnehmen läßt, die ich im achten Kapitel mitgeteilt habe.

Der besseren Düngung kam die Tiefkultur zu Hilfe, um denAcker ertragfähiger zn machen: Anfang des Jahrhunderts betrugdie Furchentiefe nur 10 em, heute durchschnittlich 26 em, im Hoch-betriebe mit Tiefkultur aber 3040 cm. Die natürlichen Mängeldes Bodens versuchte man durch Drainage, Mergelung, Moor-kultur und andere Mittel mit Erfolg zu beheben.