Fünfzehntes Kapitel.
Wirtschaft und Kultur.
I. Masse und Wechsel.
Nicht weil ich es für besonders geistreich hielte ('im Gegenteil,die Darstellung erhält dadurch etwas Monotones), sondern lediglichaus Zweckmäßigkeitsrücksichten, aus didaktischen Grüudeu Null ichdie tausendfachen Veränderungen, die die wirtschaftliche Entwicke-lung während des neunzehnten Jahrhunderts an den Grnndlagenunserer materiellen Kultur bewirkt hat, unter nnr zwei Gesichts-punkten betrachten: unter dem Gesichtspunkte der „Masse" uuddem des „Wechsels"; will also versuchen, mit diesen beiden Kate-gorien die wichtigsten Umgestaltungen, die unsere Umwelt, unsereäußeren Lebensbedingungen während des verflossenen Jahrhundertserfahren haben, zu einem leidlich geordneten Bilde in unserer Vor-stellung zusammenzufügen.
Gibt es in der Tat etwas, das für unsere Zeit charakteristischerwäre als das Massenhafte, als die Menge im Gebiete derMenschenwelt ebenso wie der Güterwelt? Und diese Mengehat uns das neunzehnte Jahrhundert gebracht. Ich beginne mitder Menschenmenge, von der schon öfters die Rede war. DreißigMillionen Menschen leben im Jahre 1900 mehr in Deutschland als 1800. Die Bevölkerung hat sich verdoppelt. Wenn wir alsoannehmen, daß Deutschland znvor nie dichter bevölkert war als amEnde des achtzehnten Jahrhunderts (was nach allem, was wir vonder Vergangenheit wissen, eine zutreffende Annahme fein dürfte),fo hat iu diesen letzten hundert Jahren die Zunahme mehr be-tragen, als seit Armins Zeiten. Alle vergangenen Jahrhunderte