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Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
Entstehung
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Wie eine Arbeiterfrage entstand.

Die harte Arbeit des Schiebens nnd Ziehens der Kohlen-wagen von den Werken nach den Hanptgängcn oder bis an denEingang des Schachtes beginnt zn verschiedenen Lebensjahren,von sechs Jahren an aufsteigend; es ist dies eine Arbeit, welche,wie alle Zeugen versichern, das nnansgcsetztc Anstrengen allerphysischen Kräfte der jugendlichen Arbeiter erfordert.

In allen Distrikten, wo auch Arbeiterinnen in den Kohlen-gruben arbeiten, verrichten beide Geschlechter genan dieselbe Arbeitund anch wahrend derselben Zeitdauer: Knaben und Mädchen,jnuge Männer und jnnge Frauenzimmer, sogar verheiratete undschwangere Frauen sind fast nackt, während sie arbeiten, und dieMäuucr in vielen Gruben gänzlich nackt. Der demoralisierendeEinfluß der unterirdischen Arbeit ans die Fraucu wird von allenZcngcn konstatiert. Die regelmäßige Arbeitszeit für Kinder undjnnge Leute dauert wenn die Arbeit im vollcu Gange istselten weniger als elf, öfter zwölf Stunden, in einigen Distriktendreizehn und in einem einzigen gewöhnlich vierzehn uud darüber.Die Nachtarbeit ist in der großen Mehrzahl dieser Bergwerkeein Teil des gewöhnlichen Arbcitssystems nnd wird je nach derNachfrage nach Kohlen mehr oder weniger regelmäßig innegehalten. Alle Zeugenaussagen führen aus, wie äußerst schäd-lich diese Einrichtung ans den Physischen nnd moralischen Zustandder Arbeiter, besonders der Kinder einwirken mnß.

Obgleich strenggenommen diese täglich so viele Stundenwährende Arbeitszeit uicht eine nnnntcrbrochcnc genannt werdenkann, da es in der Natnr der Beschäftigung liegt, daß Pansenvon einigen Minuten eintrete», während welcher die Muskelnnicht angespannt sind, so ist doch von einer regelmäßigen Frei-zeit zum Ausruhen keine Rede, sondern die Arbeiter nehmenihre Nahrung während der Arbeit, so gut es eben geht, zu sich.

In allen Kohlengruben kommen sehr hänfig ganz entsetzlicheUnglncksfällc vor; uud sowohl die Erkundigungen, die wir ein-zogen, lvic die Rcgistricrtabellen liefern den Beweis, daß nnterden durch solche Unglücksfälle umgekommenen Arbeitern manch-mal die Zahl der Binder verhältnismäßig gerade so groß undmir selten kleiner ist als die Zahl der Erwachsenen. Eine derhänfigsten Ursachen von Unglücksfällcn wird darin gefunden,daß die Aufsicht eine äußerst mangelhafte ist, sowohl in bezugauf genaue Untersuchung der Sicherheit des Maschincnwerkes,vermittels dessen die Arbeiter aus- und niedergelassen werden,als anch in bczng daranf, daß immer mir eine genau bestimmte