66 Die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung.
Eine Leistung, die erst in letzter Zeit von den Gewerk-schaften übernommen worden ist, ist die Errichtung vonArbeitcrsekretariaten. Das erstem Deutschland wurde imJahre 1894 iu Nürnberg ins Leben gernfen. Seine Auf-gabe war also umschrieben: „Tas Arbeitersckrctariat erteiltmündliche Auskunft in gewerblichen Streitigkeiten, welcheder Kompetenz der Gewerbegcrichtc unterstehen; überKranken-, Unfall-, Alters- und Juvaliditätsversicherung;über Arbeiterschutz, Vereins- und Versammlnngsrccht, sowieüber das Favrikinspektorat. Tas Sekretariat nimmt Be-schwerden über diese Gegenstände auf uud veranlaßt derenzweckmäßige Erledigung." Tie Arbeitcrsekretariate sind alsoin erster Linie AnSknnftsstcllen für Arbeiter. Danebenlassen sie sich in dankenswerter Weise die Pflege der sozialenStatistik angelegen sein, manche von ihnen übernehmen michschon die Vertretung von Arbeitern gegenüber den Behörden.Sekretariate sind von den freien Gewerkschaften, den evan-gelischen und katholischen Arbeitcrverbäudcn errichtet. IhrerBedeutung entsprechend haben die freien Gewerkschaften dengrößten Anteil anch an den Arbeitcrsekretariaten. Anfangdes Jahres 1904 waren bereits 41 von jenen Organisationenbegründete Arbeitersekretariate in Tätigkeit. Unter ihnenragen an Bedeutung hervor die Arbeitersekretariate Frank-furt a. M., Nürnberg, Köln und Bremen .
III. Die Grenzen der gewerkschaftliche» Arbeiterbewegung.
Man kann zunächst au die Grenzen denken, die derSelbsthilfe der Arbeiter im Interesse der Allgemeinheitgesteckt werden müssen. Es sind in der Tat Fälle möglich,in denen die schädlichen Wirkungen einer unbeschränktenSelbsthilfe in gar keinem Verhältnis mehr zu den Inter-essen stehen, um derentwillen sie ins Werk gesetzt wird.Insbesondere tritt dies bei den Arbeitseinstellungen — den