Das Problem der Arbeitslosigkeit.
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erreichte: aber doch auch in dem Niedergangsjahr 1902nicht höher als auf 4,4°/« im Jahresdurchschnitt stieg. Fürdeutsche Verhältnisse besitzen wir ciue genaue ArveitSlosen-zählnng aus dem Jahre 1895, d. h. aus einer Zeit vorBeginn der wirtschaftlichen Hansse. Diese Zählung ergibt,daß im Sommer — 14. Juni 1895 — in der Sphäreder Industrie 1,53°/°, im Winter dagegen 4,18°/o Arbeits-lose waren. Die Steigerung der Arbeitslosenzifscr im Winterist natürlich auf die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe zurück-zuführen, wo sie 12,6°/« betrug. Vou den am 2. De-zember 1895 beschäftigungslos gefundenen 479000 Per-sonen entfielen ans das Baugewerbe allein 145 000 Personen;außerdem auf die Landwirtschaft 158 000 Personen. Zurbesseren Übersicht teile ich das Ergebnis der deutschenArbeitslosenzähluug für die einzelnen Gewerbe im folgen-den noch mit. (Siehe die Tabelle auf Seite 114.)
Wcun man mm aber heute auch eingesehen hat, daßdie Arbeitslosigkeit weniger groß ist, als man in frühererZeit ohne exakte statistische Grundlagen glaubte annehmenzu sollen, so entbindet diese Einsicht doch keineswegs vonder Pflicht, gegen die üblen Folgen der Arbeitslosigkeit mitden Mitteln der Sozialpolitik nach Kräften anzukämpfen.Ja, es ist sogar meines Erachteus mit Recht bemerkt worden(von Jastrow), daß die Tatsache, daß es sich nm kleinereMassen von Arbeitslosen handelt, einen Grund bilde, derMöglichkeit einer Unschädlichmachung ihrer verderblichenFolgen mit mehr Hoffnung entgegenzusehen, als es derFall sein würde, wenn jene abenteuerlichen Vorstellungender frühereu Zeit richtig wäre».
Die Aufgaben, die sich für den Sozialpolitiker der Arbeits-losigkeitgegenüberergebcn, zerfallen indrei Komplexe, sofern siebetreffen 1. den Ausgleich dcsvorhandenenAngebots anArbeits-kräftcn, 2. Arbeitsbeschaffung nud 3. Arbeitslosenunterstützung.