Der Arbeitsnachweis.
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II. Der Arbeitsnachweis.
Es gibt zahlreiche Fälle, in denen eine Arbeitslosigkeitnur deshalb vorliegt, weil der stellenlose Arbeiter keinegenügende Kenntnis von der Nachfrage auf dem Arbcits-markt hat, also nicht weiß, wo man seine Arbeitskraft ver-langt. Wir können diese Art der sozialen Arbeitslosigkeit sub-jektive Arbeitslosigkeit nennen, uud zu ihrer Beseitigungdient die Organisation des Arbeitsnachweises, die außer-ordentlich entwicklungsfähig uud reformbedürftig ist, wiemau sofort sieht, weuu mau ciueu Blick auf den gegen-wärtigen Stand der Dinge wirft.
Für denjenigen, der eine Arbeitsstelle sncht, stehen inder Gegenwart folgende Wege offen:
1. Die persönliche Umschau, bei der der Arbeit-suchende von Tür zn Tür, von Kontor zu Kontor, vonFabriktor zu Fabriktor waudert, um nachzufragen, ob eineStelle für ihn offen sei. Es ist, wie ersichtlich, die primi-tivste Art der Arbeitsvermittlung, die mit den schwerstenNachteilen für den Arbeitsuchenden verknüpft ist, der sichbei seinen Wanderungen den härtesten Enttäuschungen, denempfindlichsten Demütigungen nicht nur ausgesetzt sieht,souderu auch leicht durch die Eigenart seiner Existenzwährend vieler langer Tage auf abschüssige Bahnen gerät.
2. Auf einer etwas höheren Stufe steht die Arbeits-vermittlung durch die Zeitungsannonce. Sie hat jedochebenfalls große Nachteile, die hauptsächlich darin bestehen,daß das Inserieren teuer ist uud sich deshalb für dengewöhnlichen Lohnarbeiter fast immer verbietet, daß weiteraber der Arbeitgeber nur nngern auf Annoncen hin wenig-stens qualifizierte Arbeitskräfte audiugt, da ihm ja dieAnnonce selber keinerlei Aufschluß über die Leistungsfähig-keit des Arbeiters verschafft.
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