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Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
Entstehung
Seite
120
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12V Das Problem der Arbcitslosenfürsorge.

Arbeitsloser durch keinerlei Beschäftigung sich ihren Unter-halt erwerben können, so werden hauptsächlich folgendePunkte berücksichtigt werden müssein

1. daß die Unterstützung in erster Linie an Francnnnd Kinder erfolgt;

2. daß die Unterstützung tunlichst in der Verabreichungvon Naturalien besteht, Kohle, Lebensmittel, Kleidung nsw,,die zuni Teil von andern Arbeitslosen hergestellt werden können;

3. daß die Unterstützung nicht die entehrenden Wirkungender Armenuuterstützung nach sich zieht.

Aber als eine dauernde Einrichtung wird man Not-standsarbciten und Notstandsnnterstütznngcn nicht ansehendürfen. Es wird vielmehr zu erwägen sein, ob nicht Maß-regeln getroffen werden können, die die Unterstützung derArbeitslosen in ähnlicher Weise zum Ziel sich setzen, wie diegroßen Organisationen ans dem Gebiete der Kranken-, Jn-validitäts-, Unfall- und Altcrsunterstützung. Mit andernWorten, es wird sich darum handeln, ob den bestehendenstaatlichen Versichcrnngsgesetzen eine Arbeitslosenversicherunghinzuzufügen sein wird.

Was bisher an Arbeitslosenversicherung vorliegt,hält sich in außerordentlich bescheidenen Grenzen nnd be-deutet nicht mehr wie erste Versuche.

Am bedeutendsten ist die Arbeitslosenversicherung bis-lang bei den Gewerkschaften zur Entwicklung gelangt. Dieenglischen wracke» nnicms versichern etwa ^ Millionenihrer Mitglieder gegen Arbeitslosigkeit, während die deutschenArbeiterbernfsvereine in den letzten Jahren etwa für eine^Million ihrer Mitglieder eine Versicherung gegen Arbeits-losigkeit besaßen. Neben den Gewerkschaften kommen dannnoch einige Städte in Betracht, in denen sich Ansätze zueiner Versicherung' gegen Arbeitslosigkeit entwickelt haben.Es sind dies Bern, St. Gallen, Köln und Gent. In Gent