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1 (1904)
Entstehung
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Die Prinzipien der modernen Technik im besonderen. 21

die Quantität. Und zwar läßt sich diese Wandlung ver-folgen in allen Elementen der Technik: Kräfte, Stoffe, Ver-fcchrungsweiseu sind ihr gleichermaßen anheimgefallen.

Zwar nutzte die Menschheit vor dem neunzehnten Jahr-hundert auch schou Wasser und Wind neben den tierischenund menschlichen Organismen als treibende Kräfte. Aberganz abgesehen davon, daß sie weit zurücktraten an Be-deutung hinter den organisierten Kraftspendern: was siediesen ähnlich erscheinen ließ, war ihre Gebundenheit anOrt und Zeit. Die Lauuen der Nixlein und des Wind-gottes entschieden allein, ob und in welcher Richtung nndwann die Menschen des Wassers und des Wiudes Kraftnutzen sollte». Erst seit die Spannuug des Wasserdampfcsund des elektrischen Stromes in ihrer Verwendbarkeit fürdie Technik erkannt war, erschloß sich der Menschheit inder toten Natur eine Kräftequclle, über die sie nach Quan-tität uud Qualität beliebig verfügen konnte. Der Über-gang zn Dampf uud Elektrizität als treibenden Kräften istalso recht eigentlich ein Akt der Emanzipatiou, der ganzbesonders deutlich auf die Eigenarten modcru-uaturwisscn-schaftlicher Betrachtung sich zurückführen läßt.

Und wie die mechanische Kraft, so beherrscht der anorga-nische Stoff die nene Zeit: das Eisen, der künstliche Dünger,die Anilinfarbe usw.

Aber was uun das Wichtigste ist: auch die modernenVcrfahrungswcisen, die Arbeitsmethoden atmen denselbenGeist. Anch sie drängen nach Befreiung von den Schrankender organischen Welt. Deutlich tritt diese Teudeuz zu Tagein allen chemischen Industrien, die ja doch recht eigentlichauf dem Gedanken einer künstlichen Shnthese nützlicherStoffe aufgebaut sind. Was ehedem das geheimnisvolleWeben des Waldes, die Blüte der Pflanze, der Organis-mus des Tieres zn Tage förderten, das entsteht jetzt auf