Druckschrift 
1 (1904)
Entstehung
Seite
22
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22 Die gewerbliche Arbeit n. ihre Organisation.

Kommando in der Retorte oder der Muffel des Chemikers:Wohlgerüche und Wohlgeschmäcke, Farben und Faserstoffe,Düngemittel und Belenchtnngsmatcrial.

Ist das chemische Verfahren vornehmlich dazu bestimmt,tierische und pflanzliche Organismen bei der Erzeugung vonGebrauchsgutern entbehrlich zu machen, so läuft das maschi-nelle Verfahren in seiner Grundidee darauf hinaus, dieGüterherstellung von der Mitwirkung des lebendigen Men-schen zu befreien. Das ökonomische Prinzip beruht in derArbeitsersetznng. Die Maschine ist eine Vorrichtung zumZweck, irgend eine Arbeit auszuführen, die ohne sie derMensch ausführen müßte. Das Ideal einer vollkommenenMaschinerie ist der automatisch wirkende Mechanismus, dender Mensch nnr noch zu bedienen hat.

Um die praktische Tragweite dieser neuen Technik richtigzu ermessen, wird man unterscheiden müssen die Bedeutung,die die Anwendung der wissenschaftlichen Methode als solchebesitzt, von den Wirkungen, die der Übergang von der orga-nischen zur anorganischen Natnr bei den technischen Vor-nahmen im Gefolge hat. Über die Zusammenhänge zwischendem wissenschaftlichen Verfahren und den großen Leistungender modernen Technik wird folgendes auszusagen sein. Zu-nächst erfährt eine gänzliche Umgestaltung dasjenige, wasich die Art des Besitzes des technischen Könnens nennenmöchte. Dieses wird durch die Einbürgerung des ratio-nellen Verfahrens gleichsam objektiviert. Wir sahen früher:jedes Kunstverfahren niht in der Persönlichkeit desMeisters"eingeschlossen; es lebt mit ihm, es stirbt mit ihm. Nur wasder Lernende ihm abgelauscht und abgeschaut hat, dasdauert über seinen Tod hinaus, schlägt Wnrzel abermalsin einer Persönlichkeit, um mit dieser wiederum zu Grundezu gehen. Das rationelle Verfahren steht demgegenüberverselbständigt, objektiviert, als ein für jedermann beliebig