Druckschrift 
1 (1904)
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

Die Prinzipien der modernen Technik im besonderen. 2Z

faßbares und erreichbares Wissen außerhalb jeder aus-führenden Persönlichkeit. Einmal durch Wort und Schriftfestgelegt, ist es ein unvergängliches Eigentum aller künf-tigen Geschlechter. Damit ist es aber in doppelter Hinsichtvon der Zufälligkeit des reiu Persönlichen befreit: sofernseinem gänzlichen Verlust vorgebeugt ist, sodann aber esnicht notwendig eines bestimmten, an Ort und Zeit ge-bundenen Individuums bedarf, um das betreffende Ver-fahren anzuwenden: solange die gelverbliche Tätigkeit, auchschou die moderne kapitalistische Industrie, noch im Stadiumder Empirie sich befand, konnten neue Industriezweige ineinem Lande nur begonnen werden, wenn man Menschendahin verpflanzte, die das Geheimnis mit sich trugen: dieBerufung der Humiliaten-Mönche dnrch zahlreiche Städteim Mittelalter, die Hereinzichung brabantischer Tuchmachernach England , italienischer Seidenspinner und -Weber nachFrankreich, die ganze Emigrantcnvolitik der Hohenzollern reden eine deutliche Sprache dasür, daß iu damaliger Zeitdie technische Kunst noch an den Künstler gebunden war.Tann bleibt sie eine Zeit lang an die Produkte gebunden:dann sorgt ein Land etwa dafür, daß bestimmte Maschinennicht ins Ausland kommeu: England im Aufaug desXVIII. Jahrhunderts. Und heute braucht eine Nationihre jungen Ingenieure und Techniker nur an die deutschenHochschulen zu seuden, um alle Weisheit im Kern sich zubeliebiger Verwendung im eigenen Lande zu verschaffe».Nud wie die Ausübung und Erhaltung der technischen Kunstdnrch das rationelle Verfahren von der Zufälligkeit desIndividuellen befreit werde», so in noch viel höherem Maßeauch die Vermehrung des technischen Könnens. An Stelledes versuchsweisen Tastens, das, wie wir sahen, aller Em-pirie eigentümlich ist, tritt beim rationellen Verfahren dasplanmäßige »nd methodische Suche» auf Gruud der Keimt-