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1 (1904)
Entstehung
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Die Prinzipien der modernen Technik im besonderen. 25

äußert sich in der eben besprochenen Vervollkommnnng derMaß- und Wägemethoden bereits jene Tendenz, die wir alseine der Technik unserer Tage eigentümliche erkannten: derTendenz, sich von allem Organischen zu emanzipieren, dasin diesem Falle der Mensch ist. Alle frühere Zeit war zurBeurteilung bestimmter Aggregat- oder Wärmezustände, znrMessung nnd Wägung im wesentlichen auf die menschlichenFähigkeiten, zu fühlen, zu schmecken, zn riechen, zu sehen, ange-wiesen. Jetzt tritt an Stelle dieser subjektiv zufälligen, dieobjektiv exakte Ermittelung der Schwere, Länge, Wärme, Dicke,Tauer durch wissenschaftlich genau konstruierte Maß- nndWicgeapparate. Das Emanzipatorische änßert sich hier indoppelter Hinsicht: die Technik wird frei von der zufälligenVeranlagung bestimmter Persönlichkeiten mit besonders feinerZunge, empfindsamen Nerven, klaren Augen uud offenenOhren und ebenso von der naturveranlagten Zufälligkeitder Ausführung, die solange bestehen bleibt, als lebendigeMenschen, durch deren Adern warmes Blut fließt, die Funk-tionen ausüben.

Tamit haben wir auch schon den Punkt getroffen, indem sich die prinzipielle Bedentnng aller vervollkommnetenMaschinerie änßert: sie vermag den Vollzug irgend einerVornahme zu einer Exaktheit zn entwickeln, deren derder Mensch niemals fähig ist. Auch das feinste Werkzeug,der delikateste Griffel oder Meißel in der Hand des Ar-beiters kann doch nie etwas anderes leisten, als manuelleFähigkeiten unterstützen: die Arbcitsmaschine dagegen kenntdiese Schranken nicht. Sie braucht nicht mehr den Kon-takt zwischen Auge uud Haud, auf dem alle Verfeinerungmanueller Geschicklichkeit beruht: sie kann so fein schneiden,so sicher nnd regelmäßig eine Verrichtung wiederholen, wieniemals die menschliche Hand es vermöchte: sie ersetzt ebeuin vollkommener Form die Arbeit des Arbeiters.