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1 (1904)
Entstehung
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Die hausgcwcrbliche Eigenproduktion. 41

ihrer Angehörigen, bczw. der von ihnen abhängigen Personenbestimmend ist. Daß ebenso über' das Maß der Entfaltungproduktiver Kräfte, d. h. die Entwicklung technischen Könnens,die Größe und Zusammensetzung des KreiseS einer Wirtschaftentscheidet. Daß endlich das Produkt alle Stadien seinerEntwicklung im Rahmen einer Wirtschaft durchläuft, so daßalso eiu Güteraustausch überhaupt nicht stattfindet.

Innerhalb dieser Eigenwirtschaften lassen sich dann zweiverschiedene Arten deutlich uuterscheiden, die ich als ur-wüchsige oder bäuerliche Eigenwirtschaft und als erweiterteEigenwirtschaft bezeichne.

1. Die urwüchsige oder bäuerliche Eigenwirt-schaft ist diejenige, bei der die Wirtschaftseinheit durchstammesverwandte oder blutsverwandte, sozial gleichgestelltePersonen gebildet wird. Sie wird dadurch charakterisiert,daß die Bedarfsgcstaltnng eine gleichsam naturale ist, ohnewesentlich andere Differenzierung, als sie die natürlichenUnterschiede des Alters und Geschlechts mit sich bringen.

2. Die erweiterte Eigenwirtschaft wird dadurchcharakterisiert, daß in ihr eine Anzahl von nicht blutsver-wandten bezw. stammverwandten Personen, also fremdeLeute, dem WirtschaftsorganismuS eingegliedert sind, zu demZwecke, dem Vorstande der Wirtschaft, ihrem Herrn, mitihrer Arbeit zu dienen. Der Bedarf ist hier bereits einkulturell bestimmter, insofern difscrenzierterer, als in ersterLinie die Bedürfnisse des Herrn nnd der Seinigen für diegesamte Einrichtung der Wirtschaft ausschlaggebend sind.Die Ausübung der wirtschaftlichen Tätigkeit erfolgt nichtmehr von sämtlichen Angehörigen der Wirtschaftseinheit,sondern von den fremden Leuten für die Herrschast.

Während die Existenz der urwüchsigen Eigenwirtschaft,wie schon durch die Begriffsbestimmung selber gegeben ist,an keinerlei andere Bedingnngen geknüpft ist, als das Wirt-