Das Altertum, 63
wie der gewerbliche Kapitalismus im modernen Sinne iugrößerem Umfange gefehlt. Gegen diese Auffassung ist ausdem Kreise der Fachhistoriker lebhafter Widerspruch lautgeworden, ohne daß dadurch die bekämpfte Ansicht von ihrenVertretern aufgegeben worden wäre. Augenblicklich tobt derKampf noch unentschieden und man wird es den einzelnenUntersuchungen der nächsten Jahre überlassen müssen, dieSachlage weiter zu klären.
Soviel sich jetzt mit einiger Sicherheit über die gewerb-lichen Zustände des Altertums aussagen läßt, dürfte etwafolgendes sein: Zweifellos hat sich in den Staaten desAltertums im Laufe der Jahrhunderte, wie später im Mittel-alter, aus dem bäuerlichen Cigengewcrbc ein selbständigesHandwerk auch mit freien Leuten heraus entwickelt. Ebensosicher dürfen wir annehmen, daß dieses Handwerk in deneuropäischen Staaten des Altertums, im geringsten Umfangvielleicht in Griechenland , in größerem Umfange im kaiser-lichen Rom und vielleicht im stärksten Maße in den orien-talischen Kulturstaaten von einer Epoche des gewerblichenKapitalismus auch im modernen Sinne gefolgt gewesen ist.Ganz unzweifelhaft aber ist es, daß sowohl das freie Hand-werk wie der gewerbliche Kapitalismus nicht annäherndeine so mächtige Entfaltung erfahren haben, wie etwa imgermauisch-romanischen Kulturgebiet während des Mittel-alters und der Neuzeit. Man wird vielmehr soviel von derNodbertus-Bücherschen Auffassung mit aller Wahrscheinlich-keit als unumstößliche Erkenntnis retten, daß in der Tatdie Wirtschaft des Altertums, insbesondere also auch diegewerbliche Produktion, in viel weiterem Umfang als diespätere Wirtschaft in den Formen der Eigenproduktion steckengeblieben ist. Der Eigenproduktion, die allerdings in derForm der erweiterten Eigenwirtschaft zu kunstvoller Ent-wicklung gelangt ist. Als Grund dieser, dem Altertum eigen-