64 Überblick über d. geschichtl. Entwickelung d. Gewerbewesens.
tümlichen Wendung der Tinge wird man das Vorhandenseinder Sklaverei ansprechen dürfen. Will man also einSpe-zifiknm suchen, das die Wirtschaft des Altertumsbesonders charakterisiert, so wird man, das scheintjetzt schon unzweifelhaft, die besonders hoch entwickelte Formder hänslichen Eigenproduktion als solches annehmen müssen.
Tie Bezeichnung für diese ausgebildete erweiterte Eigen-wirtschaft ist die der Oiken-Wirtschaft (von Oikos - dasHaus). Von ihr finden wir Schilderungen sowohl in derasiatisch-afrikanischen Kulturwelt, wie namentlich auch inGriechenland und Rom . So erfahren wir beispielsweisevon großartiger eigcuwirtschaftlicher Organisation mit dem-cnlsvrcchend handwerksartigen gewerblichen Arbeitern nnterder XIII. Dynastie ans Ägypten :
„Wie die Großen von Memphis, so besaßen auch dieBorsteher des Nomos Mal) Hörige, die sich ans jedes Hand-werk verstanden. Zimmerlente und Schiffsbanmeister fällenBäume uud behaucn sie, Tischler nnd Stellmacher sehen wirbei feinerer Arbeit, Steinmetzen, Bildhauer uud Anstreicherrühren die Hände, nnd Ziegclstreichcr beim kneten des Tonsauch die Füße. Töpfer sorgen für die Gefäße des Hauses,die sie schön zn drehen nnd zu brennen verstehen, und Glas-bläser für Flaschen zu feinerem Bedarf. Gerber nnd Schusterüben ihr Handwerk und an den im Franengcmach anf-gestellten Websttthlen sind dienende Weiber tätig, welche vonfeisten Männern bewacht werden."
Eine solche erweiterte Eigenwirtschaft großen Stiles scheintauch im jüdischen Tempel zu Jerusalem zu Jesus vonNazareths Zeiten geherrscht zu haben. Wir hören wenig-stens, daß an Ort und Stelle die Schaubrote hergestellt unddie Opfertiere geschlachtet wurden, daß es im Tempel Spe-zialärzte nnd Brnnnenmeister, Garderobcmeister, Lampcn-dochtbesorger, Kunstweber sowie Meister uud Gehilfen der