86 Überblick über d. geschichtl, Entwickelung d. Gewcrbewesens.
kor-rekt unter der Bezeichnung der Grundherren zusammen-fassen kann. Das häufig eintretende Bedürfnis nach rascheroder plötzlicher Geldbeschaffung dieser Elemente bewirkte es,daß sie hänfig zu für sie außerordentlich ungünstigen, fürdie aushelfenden Geldgeber günstigen Bedingungen Geschäftemit bürgerlichen vermögeudeuPersouen einzugehen gezwungenwurden. Welche gewaltige Bedeutung der Geldleihc-Verkehrmit den Großen der mittelalterlichen Reiche für die Ber-mogensbildung hatte, machte man sich am besten klar, wennman die in Frage kommenden Summen etwa mit deu Wertendes mittelalterlichen Handels vergleicht. Man wolle sichetwa vergegenwärtigen, daß ungefähr in derselben EpocheMitte, bezw. Ende des 14. Jahrhunderts als der Wert desgesamten Einfuhrhandels einer Stadt wie Neval 1 bis1l/z Millionen Mark, derjenige Lübecks 2—3 MillionenMark heutiger Währung betrug, ein einziges FlorentinerBankhaus dem König von England über 8 Millionen Markheutiger Währung, ein anderes über 5 Millionen Mark ge-liehen hatte; daß zu der Zeit, da die sämtlichen hanseatischenKaufleute für 5—600 000 Mark, die italienischen zusammenfür 11/2—2 Millionen Mark heutiger Währung Wolle inEngland einkauften, Ende des 13. Jahrhunderts die Geld-leiher in Paris , die sogenannten Lombarden, einen Jahres-umsatz von 61 Millionen Mark heutiger Währung versteuerten.
3. kommt in Betracht als Quelle der Vermögensbildungdie Ausbeutung fremder Länder und Völker, wie sie durchdie Kolonialherrfchaft erfolgte. Während des Mittel-alters waren es die Italiener, welche aus ihren Besitzungenin der Levante die kolossalen Reichtümer herbeischafften, mitdenen sie ihre Macht begründeten. Seit Erschließung desSeewegs nach Ostindien bezw. der Entdeckung Amerikas dagegen sind es der Reihe nach die Portugiesen, Spanier,Holländer, Franzosen, Engländer, die sich durch eine rücksichts-