Druckschrift 
1 (1904)
Entstehung
Seite
90
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gy Überblick über d. geschichtl. Entwickelung d, Gewerbcwesens.

zur Entwicklnng zu bringen. Deshalb müssen wir ihn andieser Stelle in seinen Grnndzügeu wenigstens kennen zulernen suchen.

Ich sagte schon, daß es den Interessen des modernenStaates ebenso wie denen des modernen Kapitalismus ent-sprach, daß im Innern der neu zu bildenden großen Reichejene Widerstände der lokalen Gewalten gebrochen würden,die aus der mittelalterlichen Staats- und Wirtschaftsver-fassung überkommen waren. Es galt vor allein zu diesemBehufe die wirtschaftliche Autonomie der Städte zu be-seitigen. Es wurde ihr Gewerbcmonopol dadurch gebrochen,daß man das Bannrecht anfhob und dadurch also die Eta-blierung neuer Gewerbezwcige auf dem platten Lande frei-gab. Gleichzeitig wurde das Zunftregiment insofern ein-geschränkt als die kapitalistischen Gewerbe unzttnftig betriebenwerden durften oder aber die Zünfte territorial geordnetwurden. Um den Waren die freie Zirkulation durch eingrößeres Gebiet zu gewährleisten, mußten die Stapel-,Meilen- und Straßenrechte der Städte beseitigt werden,was beispielsweise in Preußen im 16. und 17. Jahrhun-dert eine Hauptaufgabe der Wirtschaftspolitik war; ebensomußte darauf Bedacht genommen werden, daß die Schran-ken fielen, die die einzelnen Städte oder Territorien durchihre Binnenzölle aufgerichtet hatten. In den westeuropäischenLändern vollzog sich diese Befreiung des Warenverkehrs vonden binnenländischen Zollschranken schon im 17. Jahrhun-dert, Teutschland als Ganzes mnßtc sich bis zum 19. Jahr-hundert gedulden, ehe es einer gleichen Politik teilhaftigwurde. Hier war es erst die Gründung des Zollvereinsin den 1830er Jahren die dasjenige leistete, was schonColbcrt in Frankreich vollbracht hatte.

Mit dieser Beseitigung der Hemmungen im Innern desLandes, die einer freien Entwicklung des Handels und der