Die Schaffung der objektiveil Beding, kapitalist. Wirtschaft. 91
Produktion im Wege standen, war aber das Werk, das manerstrebte, nämlich einen nationalen Markt zn schaffen, ersthalb vollendet. Es mnßten nun Maßnahmen positiverNatur getroffen werden, die aus dem Gebiet der neu zubildenden Großstädte auch ein einheitliches Wirtschaftsgebietmachten. Hierher gehört das Bestreben zur Hebung derVerkehrsstraßen: man legte Chausseen an, man bante Kanäle,mau errichtete Posten; unter Heinrich IV. wurden in Frank-reich schon Zi/z Millionen Livres, unter Colbert über4 Millionen Livres zur Hebung der Verkehrsstraßen aus-gegeben. Sodann war man darauf bedacht, die Waren-zirkulation dadurch zu heben, daß man über ein größeresGebiet einheitliche Gewichts- und Münzsysteme einführte.Es wurde das Markt- und Meßwesen, das bis dahin vonStadt zu Stadt verschieden geregelt war, einer einheitlichenOrdnung für den ganzen Staat unterworfen. Es wurdeendlich an Stelle der lokalen Rechte ein einheitliches Rechtzu setzen versucht und zu diesem Behufe das römische Rechtrezipiert, das besser als die überkommenen Landesrechte denBedürfnissen eines höher entwickelten Vcrkehrsleben zu ent-sprechen vermochte.
Des weiteren war man darauf bedacht, durch positiveMaßregeln die vorhandene kapitalistische Industrie desLandes nach Möglichkeit zu fördern und fehlende Industrienim Lande zur Entwicklung zu briugcu. Diesem Bestrebendiente vor allem eine außerordentlich kunstvolle Grenzzoll-politik, die in ihren Grundzügen sich vielfach an die Maxi-men anlehnte, von denen die städtische Handelspolitik be-herrscht gewesen war. Wollte man eine einheimische Industrieentwickeln, so mußte man zunächst darauf bedacht sein, dieKonkurrenz fremder Industrien fern zu halten. Es geschahdies dadurch, das man die Einfuhr fremder Jndustrieerzeug-nisse entweder ganz verbot oder mit hohen Zöllen belegte.