82 Überblick über d, geschichtl. Entwickelung d. Gewerbcwesens.
Auf der andern Seite sollte Vorsorge dafür getroffen sein,daß die einheimische Industrie billige und gute Rohstoffefür ihre Erzengnisse stets zur Verfügung habe. Man ver-bot deshalb die Ausfuhr der Rohstoffe uud Halbfabrikateaus dein eigenen Lande bzw. belegte sie mit Ausfuhrzöllen,wahrend man der Einfuhr von Rohstoffen aus dein Aus-lande Erleichterungen zu teil werden ließ. Genügten dieseindirekten Maßregeln noch nicht, um die einheimische In-dustrie zur Entwicklnng zu bringen, so griff man zur direktenUnterstützung nnd Forderung der kapitalistischen Industrie.Man erteilte Prämien für die Anlage von Fabriken, Prämienfür die Ausfuhr von Jndustrieerzcugnissen, man sorgte dafür,daß die hervorragenden Gewerbetreibenden, Unternehmerwie Arbeiter aus den fremden Ländern herbeigezogen wur-den, damit sie im eigenen Lande die vielleicht noch nichtvorhandene Industrie begründeten oder eine bestehende zurrascheren Entwicklung brächten. Tie Emigrantenpolitik, wiesie beispielsweise die Hohcnzollern betrieben, ist nicht zuletztdurch dieses Bestreben hervorgerufen worden, das eigene Landmit tüchtigen ausländischen Gewerbetreibenden zn bereichern.
Aber nicht nur für die Schaffung eines Marktes imInnern setzte der Staat seine Kräfte ein, es galt ihm nichtweniger, seine Machtsphäre auch nach außen hin so sehr alsmöglich zu entfalten, ökonomisch gesprochen also der ein-heimischen Industrie und dem einheimischen Handel einenmöglichst breiten Herrschaftsbereich auf der Erde zu ver-schaffen. Wenn je der Satz gegolten hat, daß der wirt-schaftliche Erfolg abhängig von der Macht des Staates war,so für jene Zeit, in der der moderne Kapitalismus sich inEuropa etablierte. Es ist nicht am Orte, hier im einzelnenzu verfolgen, dnrch welche Maßregeln es den einzelnenStaaten gelang, ihren auswärtigen Handel, ihre Schiffahrtund vor allem ihren Kolonialbesitz, denn um diesen dreht