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Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
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blick kommen, wo die gesamte europäische Gesellschaft sich sagt:Jetzt sind alle unsere Gegensätze belanglos gegenüber dem,was uns vom Feinde droht. Symptom hierfür ist z. B, dieStellung Amerikas gegenüber der asiatischen EntwickelungDa ist ein Fall, wo schon jetzt ganz einfach derInter-nationalismus" des Proletariats in die Brüche geht; under würde auch im westeuropäischen Proletariat in demAugenblick sein Ende erreichen, wo etwa Kulis anfingen, wiedie Ratten über uns herzustürmen. Jene angekünstelteSympathie mit den ausgefallendsten Völkerschaften würdesich als zu schwach erweisen, um die gesunde nationaleSelbstsucht zurückzuhalten. Sobald ein gemeinsamer Feinddie Existenz einer Gemeinschaft überhaupt bedroht, wirddiese sich immer wieder ihrer Gemeinschaftsinteressen bewußtwerden und sie verteidigen; und unterdessen werden dieGegensätze im eigenen Innern in die zweite Reihe rücken.

Also von einer prinzipiellen Ablehnung des Nationalis-mus kann, wie die Weltkonstellation heute ist, auch beimProletariat keine Rede sein. Zur Diskussion wird nur immerder Kreis von verwandten Kulturnationen stehen, auf dieman die anti-nationale Gesinnung nicht ausgedehnt sehenmöchte. Wie sich solche nationalen Gruppen bilden werden,das ist eine Frage, die zu entscheiden uns hier nicht obliegt,wo ich nur die prinzipielle Seite auch des nationalenProblems hervorkehren wollte. Es wird Ihnen zum Be-wußtsein gekommen sein, wie ich mit dieser Erörterung denRing meiner Betrachtungen schließe und zum Anfang meinerReden zurückkehre, den ich von dem Gedanken nahm, daß eszwei Gegensätze gewesen sind, sind und voraussichtlichimmer sein werden, um die, wie um Pole, die Menschen-geschichte kreist: der soziale und der nationale, was auch dasProletariat niemals vergessen darf.