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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Wenn für den Hund etwa das Auf stehen des Herrn Zeichen zum Spazier-gang ist, so wird er immer aufspringen, wenn der Herr sich erhebt: auchwenn dieses Aufstehen ganz einen anderen Sinn hat, wenn dieser etwa einenFreund begrüßen will, der ins Zimmer tritt oder wenn er zum Fenster gehenwill, um einen Knecht herbeizurufen. Auch würde der Hund niemals ver-stehen, daß der Herr den Maulkorb im Zimmer aufhängt zur Erinnerungan die Aufhebung des Maulkorbzwanges: für ihn bleibt der Maulkorb einMarterinstrument und kann nie etwas anderesbedeuten.

Ich kann ja aber meinem Hund auch nicht sagen:Ich verreise, aber ichkomme morgen wieder. Weil ihm auch das Ausdrucksmittel der Sprachefehlt. Da diese viele Eigenarten aufweist, will ich über sie im folgendennoch einige besondere Bemerkungen machen.

III

Wenn in diesem Zusammenhänge von Sprache die Rede ist, so mögeneinige kurze Bemerkungen vorausgehen, in denen ich sage, was uns nichtsangeht. Das ist zunächst alles, was auf die Sprachwissenschaften im engerenSinne, also Linguistik und Philologie, Bezug hat, also Sprach- und Laut-gesetze, Aufbau und Gliederung der Sprache und ähnliches betrifft. Ebensowenig interessiert uns einstweilen die geschichtliche Wandlung, interessierenuns die Stufenalter der Sprache oder die Besonderheiten der einzelnenSprachen. (Davon wird später zu handeln sein.) Wir gehen aber auch andem Problem des Ursprungs der Sprache vorüber, obwohl es uns interessie-ren würde, wenn es als wissenschaftliches Problem existierte. Aber dastut es nicht. Es ist als solches falsch gestellt. Und es ist erstaunlich, daßso bedeutende Männer wie Herder 36 ) oder Jak. Grimm 37 ) sich mit derLösung dieses unmöglichen Problems im wissenschaftlichen Sinne ab-gegeben haben. Wenn diese und andere Gelehrte die Sprache aus einerTätigkeit des Menschen abzuleiten sich unterfingen, so vergaßen sie, daßzum Wesen des Menschen die Sprache gehört. Ein stummes Wesen istkein Mensch. Die Entstehung der Sprache setzt immer schon die Existenzder Sprache denknotwendig voraus. Sie ist ohne Begriffsbildung nicht vor-stellbar, Begriffsbildung setzt wiederum Wortprägungen voraus. Dentörichten Gedanken aber, daß die Sprache von Nichtmenschen, also Tieren,hätteerfunden werden können, lehnten sie natürlich ab. So blieben ihrescharfsinnigen Untersuchungen gegenstandslos. Die richtige Stellung zumProblem vomUrsprung der Sprache nahm Wilhelm von Humboldt ein, wenn er sagte 38 ): die Sprache istkein Erzeugnis der Tätigkeit, sonderneine unwillkürliche Emanation des Geistes, nicht ein Werk der Nationen,sondern eine ihnen durch ihr inneres Geschick zugefallene Gabe; er