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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Gerade das, meint ein feiner Beobachter 210 ),hat dem französischenGeiste seine Schmiegsamkeit, seine Abenteuerlust und seine Neugier ge-schenkt: er empfindet sich als das, was Frankreich in der Tat war: ein Ortder Begegnungen, ein Kreuzweg.

So kommen auch manche Rassentheoretiker zu dem Ergebnis, daß dieRassenmischung einSegen sein kann und im Interesse desKulturfortschritts'liegt.Je differenzierter der ganze Komplex kultureller Lebensäußerungeneines Volkes, um so mehr werden die verschiedenen Einzelleistungen ver-schiedene Sonderanlagen verlangen, um so mehr wird also das Rassen-gemenge als ihre biologische Grundlage notwendig sein, meint der eine 211 ),,während der andere 212 ) sein Urteil dahin zusammenfaßt:Wo keine un-günstige Auslese vorliegt, da ist auch keine Minderwertigkeit der Mischlingeim Vergleich zu der (sogar: farbigen) Stammrasse die Folge. Rassen-mischung, meint derselbe Kenner, kann der Entstehung hoher, vielseitigerBegabung förderlich sein, wie das Schicksal der indogermanischen Stämme--im alten Indien, in Griechenland und Italien beweist.

Diesen optimistischen Mischungstheoretikern stehen nun ebenso vielepessimistische gegenüber, die infolge ihrer pessimistischen Einstellungkeine Aufstiegs-, sondern Abstiegs-Niedergangs-Theoretikersind. Sie erblicken in der fortgesetzten Mischung der Rassen nicht nur keinenSegen, sondern einen Unsegen und den Grund für den schließlichen Verfallder Völker. Ihre Ansichten begründen sie teils mit Hilfe allgemeiner Erwä-gungen (deduktiv), teils mit dem Hinweis auf die Erfahrungen der Geschichte(empirisch), teils gar nicht.

Die allgemeinen Gründe gipfeln in der Erwägung, daß bei Kreuzung zweierRassen eine notwendige Senkung des Niveaus eintrete, da sich dieminder- 'wertige Rasse durchsetze:die Kreuzungen verschlechtern die Rasse derHerren. Tropfen um Tropfen von dem Blute der höheren Rasse rinnt hinabin die untere Klasse, und das Blut der Knechte dringt in die Familien derSieger (La Pouge) 213 ).

Diese allgemeinen Gründe, so meinen diese Pessimisten, finden ihre Be-stätigung in der Erfahrung: dem Rassehund halten sie den Köter entgegen,den blühenden, auf Rassemischung beruhenden Völkern diese selbst im wei-teren Verlauf ihrer Geschichte oder die verköterte Großstadtbevölkerungder Gegenwart.Seit dem Anbruch der Neuzeit steigt der Kopfindex (damalsschlimmstes Zeichen der Rassenverschlechterung!) von Jahrhundert zu Jahr-hundert. Die knechtisch gesinnte Rasse hat die eingeborenen (?) Bevölke-rungen nahezu aufgerieben (derselbe). Die Argumente der Gegner, die fürdie segensreiche Wirkung einer Rassemischung sprechen, werden entkräftet:.