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Bernadotte, die Garden und Lannes machten sich auf den Wegnach Berlin. Augereau stand noch weit zurück bei Weimar . DerKaiser befahl die unermüdlichste Verfolgung, bis der letzte Mannder geschlagenen Armee aus dem Felde verschwunden sein werde.Fast wörtlich ist dieser Befehl durchgeführt worden.
Bernadotte, der den linken Flügel dieser zweiten Gruppeinnehielt, hatte am 16. Oktober Querfurt erreicht und wollte vondort am 17. über Halle weitermarschieren. So stieß er auf dennoch immer unschlüssig dort stehenden Herzog. Zuerst wurde dessenVorhut am linken Saaleufer angegriffen. Der General, der siebefehligte, wagte nicht, rechtzeitig hinter den Fluß zurückzugehen;seine weithin zersplitterten schwachen Kräfte erlagen der feindlichenÜbermacht, er selbst wurde gefangen.
Nun wollte der Herzog endlich abmarschieren, aber es warschon zu spät. Auch tat er nichts, um dem Feinde das Vor-dringen durch die Stadt zu verwehren. So ward er während derBewegung in der Flanke angegriffen und sein Korps in Unord-nung teils auf Bitterfeld, teils auf Dessau geworfen. Ein Regiment,das verspätet am linken Ufer heranrückte, lief den Franzosen ge-radewegs in die Arme, wurde gesprengt und zum größten Teilegefangen genommen.
Das zweck- und sinnlose Gefecht kostete die preußischenTruppen 87 Offiziere, 11 Geschütze und etwa 5000 Mann.Doch damit nicht genug. Statt mit dem Rest, so gut esanging, die Straßen nach Berlin zu decken, zog der Herzogdie Trümmer seines kleinen Heeres am nächsten Tage durcheinen Gewaltmarsch bis in die Nähe von Magdeburg heran undverlor dabei an Ermatteten und Nachzüglern fast ebensoviel als tagszuvor im Gefecht. So war auch das Reservekorps, das bei guterFührung in dieser Unglücksstunde rettende Dienste hätte leistenkönnen, durch die Maßregeln des eigenen Führers nahez<u ver-nichtet worden.
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Am 18. Oktober erreichte das Wrack der Hauptarmee mit denletzten Teilen den Nordfuß des Harzes bei Wernigerode undQuedlinburg . Nur Blücher und hinter ihm der Herzog vonWeimar waren noch weiter zurück. Kalckreuth hatte der Königmittlerweile nach dem Osten der Monarchie abberufen, und Hohen-lohe hatte die einheitliche Führung des Heeres übernommen.