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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Die Kapitulation von Prenzlau

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Führung vollbracht; die letzte Widerstandskraft der einst so un-erschütterlichen Truppe war gebrochen.

Mögen die Ereignisse dieser Nacht eine ewige Warnung fürdeutsche Soldaten bilden und sie lehren, daß die Gefahr einesehrenvollen Unterganges im Kampfe nicht die schlimmste und selbstein Ende mit Schrecken glücklicher ist, als der Schrecken ohne Ende.

Auch jetzt noch, so nahe dem Ziel, wurde nicht gehandelt,sondern beratschlagt. Wachend brachten die Führer die Nacht imerleuchteten Schlosse des Grafen Schlippenbach zu, statt Geist undMut wenigstens durch eine kurze Ruhe zu stärken.

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Die Aavitulation von prenzlau

In breiter, sumpfiger Niederung zieht die Ucker sich, vielfachvon tiefen Gräben begleitet, in gleicher Richtung wie die Oder zumkleinen Stettiner Haff nordwärts hin. (S. Skizze 6.) Nur wenigeDämme führten zu jener Zeit darüber hinweg; eine Seenreihe aufder Talsohle vermehrte die Hindernisse. Einmal dahinter an-gekommen, hatte man viel gewonnen. Außer bei Prenzlau gab es12 Kilometer südlich bei Seehausen einen Übergang. AberSchimmelpfennigs abziehende Reiter hatten dort der eigenen Sicher-heit halber die Brücke zerstört. Weiter nördlich führte, nach einer15 Kilometer langen, ganz ungangbaren Flußstrecke, ein schlechterWiesenweg von Nechlin bis Rieden hinüber. Dem folgte derÜbergang bei Pasewalk , auf den, als den am sichersten erscheinenden,die Kavallerie und die sie begleitenden leichten Truppen verwiesenwurden.

Nach Prenzlau war bereits eine kleine Reiterabteilung unterdem Leutnant Grafen Nostiz vorausgeeilt und hatte die Stadtfrei gefunden. Der vor derselben eintreffende französische GeneralLasalle wagte nicht, sie anzugreifen. Mit ängstlicher Spannungerwarteten die Einwohner die Ankunft der geschlagenen Armee.Lebensmittel wurden zusammengebracht. Endlich kam die Kolonnelangsam heran. Südlich auf der Heerstraße von Prenzlau nachTemplin zu sah man nur zwei Haufen französischer Kavallerie.Noch war der Durchzug offen. Ein zwei Kilometer langer Damm,an dem damals nur einzelne Häuser und Gärten lagen, bildeteden Zugang zur Stadt von Westen her. Ein ansehnlicher Bach,