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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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68
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KL

II. Der Krieg von 180S und 1807

Feind zu vertreiben, aber sie erschien nicht. Nach zwei Stundenentschloß sich der Fürst zu dem allein Richtigen. Einige Bataillonegingen mit klingendem Spiele vor, und der Feind wich. Manmachte Gefangene und befreite preußische Offiziere, die zuvor infranzösische Gewalt geraten waren. Die erste Anwandlung vonEnergie hatte sofort einen Erfolg gezeigt. Nun war nichts zutun, als die hungernden Regimenter heranzuführen, zu verteilen,was noch vorhanden war und dann den kurzen Marsch nachPrenzlau zurückzulegen.

Aber nichts davon geschah, sondern ein neues Ausweichenwurde beschlossen, um Prenzlau auf Nebenwegen über Schönermark zu erreichen. Das war zu viel für die überanstrengten Truppen.Zweimal hatten sie bei dem ersten Anzeichen von der Nähe desFeindes sofort ihre Straße verlassen, und die gute Stimmung, diesich noch bei Gransee gezeigt, war schon von tiefer Niedergeschlagen-heit verdrängt worden. Jetzt steigerte sich diese Empfindung zurHoffnungslosigkeit. Konnte dort noch als Entschuldigung einwahrscheinlich in der verhängnisvollen Stunde eingetroffener könig-licher Befehl angeführt werden, einen Zusammenstoß zu meiden,so fehlte hier jeder ähnliche Grund. Kleinmut und Verzweiflungführten das Wort. Man wollte sich aus den Händen des Feindesschleichen. Dem Mattherzigen aber wendet das Glück den Rücken.Die Hiobspost kam, daß das Regiment Gendarmen, statt denMarsch zu sichern, ahnungslos mitten in die französische DivisionGrouchy hineingeritten und in Gefangenschaft geraten sei. DerWeg nach Schönermark , den benachbarte Förster für benutzbar ge-schildert hatten, erwies sich als höchst schwierig; der Marsch vollzogsich in stockfinsterer Nacht. Man hatte den geraden Weg zurRettung vermieden, um dieArmee" nicht durch einen Zusammen-stoß mit dem Feinde der Auflösung nahe zu bringen, undlöste sie nun durch die eigenen furchtsamen und unzweckmäßigenMaßregeln auf. Zahlreiche Mannschaften blieben ermattet liegen,viele benutzten die Dunkelheit, um sich auf und davon zumachen; andere verirrten sich. Nur Trümmer kamen in Schöner-mark an.

Der Marsch dieses Tages hatte 44 Kilometer betragennicht gar zu viel für eine tüchtige Truppe, aber vernichtend füreine entmutigte und durch zaghafte Führung entnervte. Was derFeind nicht getan, hatte die Ängstlichkeit und Umständlichkeit der