Einleitung
Die Kriegsgeschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert ist lehr-reich nicht nur für das eigene Volk, sondern für alle Völker, dieihren Platz an der Sonne behaupten wollen. Um die Mitte des18. Jahrhunderts Konnten das preußische und das österreichischeHeer fü r die besten Europas gelten. Wenn sie auch jahrelangeinander feindlich gegenüberstanden und das Deutsche Reich, dembeide zum Teil angehörten, nur ein Schattendasein fristete, so istes doch keine Frage, daß sie vereint damals die deutsche Welt in-mitten Europas gegen jeden Angriff von Ost oder West siegreichhätten schützen können.
Allein die Aufmerksamkeit auf die Verfassung und den Wertbeider Heere, sowie die Anspannung im Kriegsstaate minderten sichnach der großen überstandenen Probe. Der Gedanke an die Mög-lichkeit freiheitlicher und friedfertiger Entwickelung, bei der dieVölker dauernd ohne Kampf und Streit nebeneinander lebenkönnten, erfüllte die Menschheit und ließ die Bedeutung einerstarken kriegerischen Rüstung zur Zeit der großen französischenRevolution in den Nachbarländern verkennen. Zumal die preußischeArmee, die allen anderen bis dahin als Muster gedient hatte, ließdie Notwe ndigkeit dauernder Weiterbildung ^und die fahren Be-d ingungen des Erfolges allmählich außer acht^
So ward sie überflügelt, ohne es zu merken, und das neue,das 19. Jahrhundert, begann für sie mit einer Niederlage un-erhörter Art. Auch Österreich war nicht imstande, den Stürmenerfolgreich zu trotzen, welche von Frankreich aus über Europa hin-wegzogen, seit ein großer Feldherr die französischen Heere führte.Das Deutsche Reich löste sich auf, und um seine Zukunft schienes im Zeitalter Napoleons geschehen zu sein. Selbst der NameDeutschlands, als eines staatlichen Begriffs, war verschwunden.Aber unter dem harten Druck einer sechsjährigen Fremdherrschaft,während deren Preußen sogar dem Sieger kriegerische Gefolgschaft