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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Kapitulation von Spandau . Weitermarsch

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um sich über die Wahrheit oder die Unwahrheit der Unglücks-nachricht Gewißheit zu verschaffen.

Das Ende war ein neuer Akt von Zaghaftigkeit, neues Aus-biegen nach Norden und damit eine neue Verlängerung des Wegeszur Oder. Hohenlohe marschierte nach Fürstenberg. Wäre erseinem ersten Vorsatz getreu auf dem Wege nach Zehdenick ge-blieben, so hätte er dort nur schwache feindliche Reiterei angetroffenund sich leicht Bahn gebrochen, da General v. Schimmelpfennignoch an der Havelbrücke stand. Durch sein Ausbleiben trug er zudessen Unfall, der am Nachmittage wirklich eintrat, bei. Langehatte der General vergeblich auf ihn gewartet; dann kam stattseiner Murat. Doch auch jetzt noch zögerte Schimmelpfennig mitden: Rückzüge und ward endlich nach einem ersten glücklichenWiderstande von der wachsenden Übermacht geworfen, sein kleinesKorps gesprengt. Ein Teil desselben wendete sich nach Schwedt ,ein anderer über Prenzlau nach Stettin . Die Armee war fortanohne Flankenschutz.

Blücher hatte unmöglich bis Fürstenberg folgen können. Erblieb bei Alt-Nuppin, der Herzog von Weimar überschritt beiSandau die Elbe, und seine Nachhut wies unter Aorcks un-erschrockener Führung beim nahen Dorfe Altenzaun einen Vorstoßder Franzosen gegen die Fährstelle kräftig zurück. Es war daserste für die preußischen Waffen glückliche Gefecht in diesem un-heilvollen Kriege.

Am 27. Oktober setzte Hohenlohe seinen Marsch in der Rich-tung auf Prenzlau zunächst bis zum Städtchen Lychen fort. Dortwurde wieder Halt gemacht. Kavallerie sollte herangezogen werden,um die rechte Flanke gegen den Feind zu sichern. Zu der nahe-liegenden Einsicht, daß es hier nicht mehr auf die strenge Befolgungtaktischer Regeln ankam, sondern darauf, schnell so viel Truppenals möglich hinter den starken Uckerabschnitt bei Prenzlau zu retten,scheint sich weder Hohenlohe noch Massenbach durchgerungen zuhaben. Endlich traf das Regiment Gendarmen ein, und es gingweiter. Ein Offizier war nach Boitzenburg vorausgeeilt, und derSchloßherr, Graf Arnim, hatte in umsichtiger Weise Maßregelngetroffen, die hungernden und ermatteten Truppen auf dem Durch-marsche zu stärken. Als man dort ankam, war der Feind daschwache Kavallerie nur, aber sie genügte, um einen neuen Haltzu verursachen. Wieder wurde nach Reiterei herumgesucht, um den