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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

vorauseilenden Gedanken begannen sich mit dem in der Fernedrohenden russischen Feldzuge zu beschäftigen. Bei Berlin undPotsdam wollte er der großen rechten Gruppe seines Heeres Ruhegönnen, um sich auf denselben vorzubereiten.

Da traf das falsche Gerücht sein Ohr, eine starke preußischeKolonne sei eben noch durch Brandenburg marschiert. Ähnlicheswurde auch an anderen Stellen erzählt. Solche Gerüchte entstehenim Kriege aus der Erkenntnis des Möglichen und führen auf dieSpur des wirklich Geschehenen. Der Kaiser mißachtete dergleichenZeichen nicht. Noch in der Nacht zum 25. Oktober nahm er dieVerfolgung Hohenlohes wieder auf.

An dem eben verflossenen Tage hatte der schwache Komman-dant von Spandau die Tore der starken Zitadelle auf eine leereDrohung hin dem Marschall Lannes geöffnet und ihm Bewegungs-freiheit gegeben. Dieser sollte der schon vorausgeeilten Kavalleriein der Richtung auf Zehdenick folgen, Bernadotte über Branden-burg die Preußen zu erreichen fuchen. Soult , dem es nicht ge-lungen war, dem Herzog von Weimar den Weg zu verlegen, erhieltdie Erlaubnis, die Elbe zu überschreiten und sich an der Verfolgungzu beteiligen. Ney allein blieb vor Magdeburg; Davout hieltseinen Einzug in Berlin , Augereau folgte bis dicht an dieHauptstadt heran, die Garden gingen nach Potsdam . Nunwar Hohenlohes Weitermarsch von Lindow aus schon ernsthaftbedroht.

Der Fürst blieb nicht ohne Nachricht davon. Ja, die Gerüchtevergrößerten die Gefahr. Bedeutende französische Reitermassensollten schon über Oranienburg und Liebenwalde im Anmärschesein, Lannes und Davout ihnen in Eilmärschen folgen. In denMorgenstunden des 26. Oktober brachten Landleute sogar die einst-weilen verfrühte Nachricht, daß der Kolonne des Generals v.Schimmelpfennig ein Unglück zugestoßen sei. Aber statt daß dieseHiobsposten zur Eile angespornt hätten, um wenigstens so schnellals möglich die obere Havel und die Brücke von Zehdenick hintersich zu lassen, veranlaßten sie das Gegenteil. Unschlüssig bliebHohenlohe auf seinem Marsche in der Nähe von Gransee halten.Drei unwiederbringliche Stunden gingen verloren. Der Fürstsprach seine Truppen an. Sie zeigten keine Spur von Mißver-gnügen. Einige waren vom besten Geiste beseelt. Aber die guteStimmung ward nicht benutzt, nicht einmal das Notwendige getan,