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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Angriff auf den Brückenkopf von Spanden

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blieb mit der ersten Division bei Heiligenbeil stehen, mit seinerReserve zwischen dort und Mehlsack, und ließ nur die 2. Divisionunter General v. Rembow angreifen. Wohl sah er das Miß-liche ein, das in dem Zwiespalt der ihm gewordenen Aufgabelag, aber er klagte nur darüber, ohne sich entschlossen davon freizu machen. Ja, die Sicherung der Straße nach Königsberg wurdefür ihn in der Folge die Hauptsache, während der natürliche Ver-stand sich sagen mußte, daß das Schicksal dieser Stadt nicht davonabhing, ob ein schwaches Korps den Weg dahin besetzt hielt, sondern wie das Schicksal Preußens überhaupt von dem Ausfallder bevorstehenden Entscheidungsschlacht südlich des Pregel .

General v. Rembow erhielt am 4. Juni den Befehl, denBrückenkopf von Spanden zu nehmen, warf noch an demselbenTage die französischen Vorposten dorthin zurück und brachteseine gesamte Artillerie gegen die Verschanzung ins Feuer. Dieseschützte, auf einer Anhöhe errichtet, den dahinter gelegenen tief nachWesten einspringenden Flußwinkel, in dem die Brücke nach Spandenhinüberführte. Schon begannen die Franzosen , ihre Geschütze ausdem Werke zurückzuziehen, und General v. Rembow wollte zumAngriffe schreiten, von dessen Gelingen er überzeugt war. Daerfuhr er durch General Dochtorow, daß der allgemeine Angriffder Armee, der gleichfalls am 4. hatte stattfinden sollen, auf den5. verschoben worden sei. Außerdem stieg ihm der Zweifel auf,ob er das Werk nach der Wegnahme werde behaupten können;denn er glaubte ohne Grund, es sei gegen die Feindesseite hinoffen. Dies veranlaßte ihn, vom Sturm Abstand zu nehmen undin ein Nachtlager in größerer Entfernung vom Kampfplatze zurück-zugehen.

Tatsächlich hatte General v. Bennigsen sein Unternehmenverschoben, das preußische Hauptquartier aber so spät davon be-nachrichtigt, daß die 2. Division nicht mehr zurückgerufen werdenkonnte.

Zufälligerweise hatte deren Verhalten mit einem Rate über-eingestimmt, den Scharnhorst erteilt, aber nicht mehr zur Geltungzu bringen vermochte. In L'Estocq stieg der Verdacht auf, seinGeneralstab habe den Gang der Dinge hinter feinem Rücken be-einflußt und wiederholte unwillig den Befehl, den Brückenkopf am5. Juni zu nehmen. Was zu geschehen Pflegt, wenn genaue Be-fehle aus weiter Ferne erteilt werden, wo man die Umstände nicht