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II. Der Krieg von 180k und 1807
zu übersehen vermag, geschah auch hier. Die Verhältnisse hattensich geändert. Nicht nur,, daß der Feind nun schon wachsam war,General v. Rembow hatte auch an den benachbarten DochtorowUnterstützung versprochen und die Hälfte seiner Division dazu ver-wendet. Als der zweite Befehl eintraf, hatte er nur die andereHälfte zur Verfügung, ging trotzdem vor, schritt nach einleitenderKanonade zum Sturm — und ward abgewiesen. 500 Mannblieben tot oder verwundet vor dem Brückenkopf liegen. Mittler-weile hatten sich starke französische Kräfte bei Spanden versammelt,die Aussicht auf einen Erfolg schwand, und General v. Rembowging nach Wusen und von dort am 6. Juni nach Mehlsack zurück,wo auch der von Danzig kommende Kamenskoi eintraf und deneinheitlichen Befehl übernahm.
Das Opfer war um so zweckloser, als die Passarge damals,in der trockenen Jahreszeit, an verschiedenen Stellen zu durch-furten war, und die Angreifer leicht in den Rücken des Brücken-kopfes hätten gelangen können, um seine Räumung zu erzwingen.
Nicht viel besser erging es am gleichen Tage dem GeneralDochtorow vor dem Brückenkopfe von Lemitten, den er freilichabends nach unverhältnismäßigem Verluste nahm. Immerhinwaren Bernadotte und Soult an der unteren Passarge wirklichgefesselt worden.
Die von Bennigsen beabsichtigte Umklammerung Neys durchvier Kolonnen, denen die Garde als Reserve folgte, gelang indessennicht. Der starke rechte Flügel, der, von General v. Sacken be-fehligt, über Wolfsdorf vorgehen sollte, traf zu. spät ein. DieAvantgarde hatte den Marschall Ney bereits aufgescheucht, ihn abernicht angegriffen, um ihn festzuhalten. So vermochte er sich durch denAbmarsch auf der Straße nach Deppen der Gefahr zu entziehen. Dortführten drei Brücken über die Passarge. Sacken hätte ihn vondiesen abschneiden können. Aus Vorsicht aber zog er sich andie russische Mitte heran und ließ Ney den Weg frei. DieFranzosen verloren zwar an 1800 Mann, kamen sonst aber leidlich gutdavon und blieben am Nachmittage bei Ankendorf stehen. NurHermann Platow, der ihnen über Bergfriede nachsetzte, tat seineSchuldigkeit und eroberte noch einen Teil ihrer Bagagen, darunterdiejenige des Marschalls selbst.
Am 6. Juni wurde dieser durch die große russische Übermachtlangsam von Ankendorf zurück hinter die Passarge gedrängt. Der