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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Die Ereignisse bei Guttstadt

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russische Verlust an den beiden Gefechtstagen soll zusammen an2000 Mann betragen haben.

Weiter ging Bennigsen nicht vor, da er richtig herausfühlte,daß er von nun ab bei jedem Schritte nach vorwärts auf einebeständig anwachsende französische Truppenzahl stoßen müsse. Un-entschlossen ließ er die Truppen am 7. stehen und eilte für seinePerson nach Guttstadt . Verschanzungen wurden aufgeworfen. Am8. folgte ihm auch das Heer dahin, als Marschall Soult nunmehrüber Elditten am rechten Passargeufer vorging ulid die russischeFlanke bedrohte.

So endete der schwächlich begonnene Zug mit einem un-befriedigenden Ergebnis. Die Hauptschuld daran traf die obersteHeeresleistung, die an der Spitze einer Minderheit dennoch nichteinmal alle vorhandenen Kräfte zusammenfaßte, sie auch nicht mithöchster Energie zur Eile antrieb, um das natürliche Übergewichtdes Gegners nach Möglichkeit auszugleichen.

Den Kaiser hatte die Nachricht vom Vorgehen der Russenam 5. überraschend getroffen. Er glaubte nicht an einen ernstenAngriff. Dennoch traf der stets Umsichtige die notwendigsten Ein-leitungen zu siegreichem Gegenschachzuge. Die Armee sollte sichzum Aufbruche, den er erst für den 10. geplant hatte, ohne Verzugfertig machen.

Als dann bis zum 6. nachmittags die Meldungen dahinlauteten, daß der Kampf ernster geworden wäre, befahl er Lannes,mit dem Reservekorps von Marienburg, Mortier mit dem 8. vouDirschau und Mewe heranzukommen, den Garden, von Finken-stein aufzubrechen und über Saalfeld die Armee zu erreichen. SeineKavalleriedivisionen mußten ebendorthin oder nach Osterode undMohrungen vorgehen, das polnische Korps Zajonczek, das die Ver-kehrslinien nach Warschau gegen die russischen Streitkräfte desGenerals v. Esten gedeckt hatte, bis Gilgenburg heranrücken. Dierückwärtigen Verbindungen des Heeres wurden nach Marienwerderund Marienburg verlegt. Auch Marschall Davout schloß sich ausseiner bedrohten Stellung bei Allenstein dem Heere an. DesKaisers Absicht war es, die Offensive vom linken Flügel aus zuergreifen. So dachte er, die Preußen von den Russen zu trennenund diese ganz von ihren Verbindungen abzudrängen.

Dazu würde es auch wohl gekommen sein, wenn die Russenstehen geblieben wären. Bennigsen hatte zunächst die Absicht, bei