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II. Der Krieg von 1806 und 1807
tender Gedanke, Preußen und Russen zu trennen. Dies allesverwies ihn auf den Anmarsch am linken Ufer.
So bildet das Verharren der Russen am rechten Ufer einGlied in der Kette der Unbegreiflichkeiten, die für BennigsensHeerführung in dieser kurzen, aber verhängnisvollen Kriegsperiodecharakteristisch sind, und die ihre letzte Entstehungsursache wohl indem schweren körperlichen Leiden finden, an dem der General zur-zeit gerade besonders heftig litt.
Die Überraschung ließ nicht lange auf sich warten. Napoleon hatte es durch seine Energie zuwege gebracht, fast seine ganze Armeeam 9. abends zusammenzubringen, und er zögerte nun keinenAugenblick mehr mit dem Gegenstoße.
Murats Kavallerie, das Korps Soult , die Gardefüstlierbrigadennd das Korps Lannes , im ganzen 64500 Mann, brachen überPeterswalde gegen Launau und Heilsberg auf. Der Kaiser be-gleitete diese Truppen in Person. Victor, der an BernadottesStelle das erste Korps übernommen hatte, sollte von der unterenPassarge auf Mehlsack vorgehen. Die ganze übrige Armee verbliebin ihren Lagern bei Guttstadt . Ihre noch weiter rückwärts nach-folgenden Teile gewannen damit die Zeit, heranzukommen.
Auch die Straße am linken Alleufer führte durch Wälder,und sie war schmaler und schlechter, als die des rechten. DerMarsch zog sich daher erheblich in die Länge. Als Bennigsen umneun Uhr vormittags die Meldung vom Anrücken der Franzosenauf dem linken Alleufer erhielt, verstärkte er den General Barasdinund ließ bald auch den von Reichenberg zurückgehenden Fürsten Bagration mit seiner Nachhut auf den Kriegsbrücken die Alle über-schreiten. General Graf Kamenskoi erhielt die gleiche Bestimmung.Starke Kavallerie ging ebenfalls auf das linke Ufer hinüber undstellte sich auf dem rechten Flügel der halbkreisförmigen Schlacht-linie auf. Mehr und mehr Truppen folgten.
Fürst Bagration kam gerade noch, rechtzeitig an, um GeneralBarasdin bei Bewernick aufzunehmen und der Verfolgung durchMurats starke Kavallerie ein Ziel zu setzen.
Murat wartete nur Soult ab, der aber seine lang auseinander-gereckte Kolonne erst aufmarschieren lassen mußte und den Kampfdurch Entwicklung einer Batterie von 36 Geschützen einleitete. Aufihn folgten die Gardefüsiliere, dann Lannes. Es wurde Nach-mittag, ehe der ernste Angriff beginnen konnte. Nur langsam und