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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Der französische Angriff

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mit schweren Verlusten ging es vorwärts. Fürst Bagration wichfechtend über den Spuybach gegen die Linie der Schanzen zurück,zumal als er sah, daß der Feind auch den Gaberberg bei Lawdenmit Geschützen krönte. Sehr wirksam wurde er dabei durch einerussische Batterie vom anderen Ufer her unterstützt, die der spätereFeldmarschall Diebitsch befehligte. Auch seine Kavallerie warf sichMurats nachdringenden Reitern kühn entgegen und hielt sie auf,als Bagration auf dem Rückzug den Spuybach überschritt.

Bagration und Kamenskoi setzten sich nun gemeinsam in derLinie der Schanzen fest, von deren Behauptung das Schicksal desTages abhing. Soult und die Gardefüsiliere zu seiner Rechtendrängten trotz aller Einbuße nach, und es gelang ihnen sogar, diein der Mitte der russischen Stellung gelegene Schanze 2 zweimal zunehmen. Ein Augenblick der Schwäche und Verwirrung hatte dieBesatzung weichen lassen. Vergeblich warf sich das erste Bataillondes preußischen Regiments Towarczys den Stürmenden entgegen.Es vermochte deren Überzahl nicht aufzuhalten. Allein die Krisiswurde glücklich überwunden. Die russischen Regimenter Sewsk,Perm und Kaluga von der Division Rembows gingen, durchGeneral Warneck geführt, zum Gegenangriff vor und warfen dieerschöpften Franzosen über den Haufen. Der tapfere General fiel,aber die Lücke in der Schlachtlinie war wieder geschlossen. Vonnun ab kam diese nicht mehr ins Wanken.

Zur Rechten von Warnecks braver Infanterie und auch etwagleichzeitig war preußische Kavallerie, im ganzen 15 Schwadronen,vorgegangen. Sie warf sich unerschrocken auf die an Zahl über-legene Kürassierdivision Espagne und warf sie auf ihr eigenesgegen Schanze 2 im Kampfe stehendes Fußvolk zurück. Eineglänzende Attacke zweier Schwadronen der preußischen schwarzenHusaren v. Prittwitz vervollständigte den Sieg. Ein französischesInfanterieregiment wurde gesprengt, und ein Adler fiel in ihreHand. Wer erinnerte sich bei dieser Waffentat nicht mit Wehmutder 80 preußischen Schwadronen, die führerlos auf dem Schlacht-felde von Auerstedt umherirrten, ohne das Schicksal des Tages zuwenden.

Der große französische Angriff war verlustreich abgeschlagen;diesseits des Spuybaches hatten die Franzosen nur noch das Law-dener Wäldchen inne. Es galt für die Verbündeten, den unterGraf Kamenskois Leitung begonnenen Nachstoß seiner beiden

Frhr. v. d, Goltz, Kriegsgeschichte 11