Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
406
Einzelbild herunterladen
 

406

IV. Die Befreiungskriege

Ganz untätig durfte der Oberbefehlshaber indessen nichtbleiben. So hatte er denn von Troyes aus eine umständlicheOperation zur Umfassung der feindlichen rechten Flanke an derIonne eingeleitet. Damit wurde Zeit gewonnen und eine immer-hin nützliche Einwirkung auf Frankreich versucht, ohne eine Kata-strophe herbeizuführen.

Als Napoleon von Nogent auf Sezanne gegen Blücher ab-marschierte, hatte er bekanntlich die Marschälle Oudinot und Victorder verbündeten Hauptarmee gegenüber zurückgelassen. Der Kaiserkannte deren Führer nur zu gut und rechnete darauf, daß er nichtsEnergisches unternehmen werde. Wenn das wider Erwarten dochgeschah, so sollten die beiden Marschälle sich bei Montereau amZusammenflüsse von Ionne und Seine vereinigen, um gemeinsamWiderstand zu leisten. Dorthin sandte Napoleon von Ch-UeauThierry aus auch Macdonald ab, so daß bei Montereau verhältnis-mäßig bedeutende Kräfte zusammenkommen mußten.

Am 11. Februar hatte Schwarzenberg sich durch Überraschungin den Besitz von Sens gesetzt. Als nun die ersten Nachrichten vonNapoleons Erfolgen gegen die schlesische Armee eintrafen, mußteer Wohl oder übel etwas zu deren Unterstützung tun und ließWrede und Wittgenstein nach Nogent vorgehen. Kaiser Alexandervermehrte den in dieser Art ausgeübten Druck noch dadurch, daßer die Garden und Reserven in der gleichen Richtung folgen ließ.

Victor und Oudinot , zusammen gegen 40000 Mann stark,wichen unter mehrfachen Gefechten allmählich gegen Paris hin aus.Am 14. Februar, als Napoleon gerade den letzten Schlag gegendie schlesische Armee tat, vereinigten sie sich in den Morgenstundenbei Nangis. Von dort bis zur Hauptstadt waren es nur nochzwei starke Tagemärsche. Ihnen gegenüber standen an den beidengroßen Straßen, die von Nogent und von Sens auf Paris führen,bedeutende Kräfte der Hauptarmee, nämlich Wrede, Wittgenstein,Garden und Reserven an der ersten, Colloredo, Gyulai undNostiz mit der Kavallerie der österreichischen Reserven an derzweiten. Dazwischen bei Bray an der Seine war der Kronprinzvon Württemberg eingetroffen.

Ohne Zweifel bedürfte es jetzt nur noch eines frischen Zu-greifens, und Paris wäre in die Hände der Verbündeten gefallen,ehe Napoleon mit seinem siegreichen Heeresteile zur Rettung herbei-eilen konnte. Aller Voraussicht nach wäre damit auch der Krieg