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Stellung genommen, so daß die Aufnahme fehlte. Dennoch gelangder Durchbruch, wenn auch nur unter schweren Opfern. DiePreußen allein verloren an diesem Tage 80 Offiziere, 3908 Mannmit 7 Kanonen, die Russen 2000 mit 9 Geschützen. An längerenKampf war zunächst nicht zu denken.
Ohne Aufenthalt ging es in der Dunkelheit weiter. Erst beiBergeres konnte eine kurze Rast gemacht werden; dann brach mannach Chalons auf, das am 15. von den erschöpften, aber nichtentmutigten Truppen erreicht wurde. Dort trafen tags daraufauch Jorck und Sacken ein. 14000 Mann und 47 Geschützewaren während dieser unheilvollen Februartage im ganzen ver-loren gegangen, und die schlesische Armee stand wieder ebenso weitvon Paris entfernt, als 11 Tage vorher, nach der Schlacht vonLa Nothiere. Vernichtet aber war sie nicht, wie Napoleon estriumphierend verkündete. Einem in der Nacht zu Bergeres ausdem großen Hauptquartier eintreffenden Offizier gab Blücher schondie Versicherung mit, daß die schlesische Armee in wenig Tagengeschlossen und verstärkt abermals auf dem Plane erscheinen werde.Alle gebeugten Gemüter wußte er durch seine Frische und Zu-versicht wieder aufzurichten, und in der Truppe war der Ein-druck der letzten Unfälle schnell überwunden. Vier Tage späterkonnte die Offensive schon von neuem aufgenommen werden. „Ichsuche Worte, um meiner Bewunderung für die Unerschrockenheitund die Mannszucht der Truppe Ausdruck zu verleihen," schriebHudson Löwe, der englische Begleiter Blüchers, an den bei derHauptarmee beglaubigten Vertreter, General Stewart — und diesLob war wohl verdient.
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Wir wenden uns jedoch zunächst noch der Hauptarmee zu. Densiegreichen Einzug der Verbündeten in Paris wollte Schwarzenberg,der Politik seines Herrschers folgend, auf alle Fälle hintertreibe,:.Auch in König Friedrich Wilhelms Umgebung machte sich dieFriedensstimmung geltend. Sein Hauptberater Knesebeck hielt denKriegszweck für erreicht, da Frankreich in seine alten Grenzenzurückgeführt sei. Er drängte zum Abschluß. Nur Kaiser Alexanderredete in günstiger Übereinstimmung mit Blücher und Gneisenauder energischen Fortsetzung des Feldzuges das Wort. Die Friedens-verhandlungen in ChsMon-sur-Seine waren inzwischen im Gange.