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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Maire verfehlte nicht, dies eiligst an Napoleon zu melden. DerKaiser glaubte, was er wünschte und hoffte. Er befahl die Bereit-stellung zum Angriff gegen St. Dizier für den 26. März früh.Indessen ließ er doch durch Caulaincourt nochmals an Metternichschreiben, um neue Unterhandlungen anzuknüpfen, und zum erstenMale erklärte er sich bereit zum Verzicht auf das linke Rheinuferund zur Anerkennung der Grenzen Frankreichs von 1792. Aberder Zeitpunkt war vorüber, an dem das Anerbieten noch hätteBeachtung finden können.

Wintzingerode stellte sich am 26. März zum Kampfe beiSt. Dizier am rechten Ufer der Marne bereit, die Stadt in derMitte seiner Front, und nahm den Angriff Napoleons an. Dieserdurchbrach die feindliche Linie und sprengte das Kavalleriekorps unterstarken Verlusten 1000 Mann und 5 Geschütze auseinander.Tettenborn ging auf Vitry, Wintzingerode auf Bar le Duc zurück,wo er, wie wir gesehen, mit Prinz Biron in Verbindung trat.

Auch nach dem Gefechte war der Kaiser noch unsicher undschwankte in seinen Entschlüssen, wie es ihm nur in den bösestenTagen von 1813 begegnet war. Die Gefangenen verneinten, daß erdie Avantgarde der großen Armee vor sich gehabt habe, und den-noch wollte er daran glauben oder stellte sich so, als ob er es täte.Endlich im Laufe des 27. März kam er zu der Gewißheit, daß dieVerbündeten, ohne sich um ihn zu kümmern, auf Paris marschiertwären. Er erhielt die Hiobspost von Fere Champenoise. Nun konntees keinem Zweifel mehr unterliegen, daß sein großer Plan, auf dener so viel Hoffnungen gesetzt hatte, fehlgeschlagen sei. Was war zutun? Es geschah, was bisher in seiner Heerführung unerhört gewesenwar: der Kaiser berief einen Kriegsrat seiner Marschälle undGenerale. Nur Macdonald war für die Fortsetzung der Operationenim Rücken des Feindes. Napoleons Auftreten innerhalb der Ver-bindungslinien der Hauptarmee hatte hier eine lebhafte Unruheerregt, die sich sogar bis auf die Südarmee erstreckte und eiligeMaßregeln bei den höchsten Befehlshabern der Verbündeten zurFolge hatte. Daß sich das Landvolk gegen den vermeintlich ge-schlagenen und im Rückzüge befindlichen Feind mehr und mehrerhob, war unter diesen Umständen natürlich. Dieser Anfang zueiner allgemeinen Volkserhebung hätte zur Verlängerung desWiderstandes benutzt werden können. Aber die Mehrheit in desKaisers Umgebung stimmte für den Marsch auf Paris , und er