503
IV. Die Befreiungskriege
nicht mehr. Ein verlustreicher Angriff ans Grouchys Nachhut inNamur hielt den Abmarsch der Franzosen nicht auf. Erst alsdiese am Abend die alten Festungswerke räumten, gelang es derAvantgarde Pirchs, nach einem Verluste von 44 Offizieren und1272 Mann, durch ein gesprengtes Tor in die Stadt einzudringen.Aber die angeschwollene Sambre und brennende Holzstapel auf denBrücken machten eine Verfolgung unmöglich.
Thielmann, der am 19. noch bis Löwen zurückgegangen war,traf am 20. erst bei Gembloux ein. Der Marsch nach Frankreich hinein wurde daher an diesem Tage nur von Zieten und Bülowunternommen. Die britische Armee wählte ihren Weg weiter west-lich über Mons. Am 21. und 22. Juni ging Blücher fambreauf-wärts vor. Die Festung Avesnes ergab sich ihm nach kurzer Be-schießung und wurde zum Hauptstapelplatz seiner Armee gemacht.Der 23. brachte den Truppen die erste Ruhe. Thielmann, Pirchund auch Wellington kamen heran. In den drei folgenden Tagenrückte die preußische Armee dann am rechten Ufer der Oise instarken Märschen weiter. Wellington begleitete sie zur Rechten,nachdem er Cambray genommen. Am 26. stand er bei Peronne ,Blücher bei St. Quentin. Die Neste der französischen Armeewaren vor den Verbündeten über Rethel auf Soissons zurückgeflutet,wo sie am 26. mit Grouchy vereinigt standen, der den Oberbefehlübernahm. Die gesamte noch vorhandene französische Macht beliefsich auf etwa 60 000 Mann. Ihr Auftrag war es, Paris zu decken.
Bei den Verbündeten trat eine Neuordnung ein. Das heran-rückende norddeutsche Bundeskorps und Pirch traten unter denBefehl des Prinzen August von Preußen, der mit den beidenKorps zur Wegnahme der Festungen im Norden Frankreichs zu-rückblieb. Mit den ihm verbleibenden drei Korps setzte Blücher,nach neuer Vereinbarung mit Wellington, den Weitermarsch aufParis fort. Wellington folgte von nun ab langsamer. Die vonihnen befehligten 120000 Mann schienen den beiden Feldherrenvollkommen ausreichend, den Krieg schnell zu Ende zu führen.
Die Annäherung der kaiserlichen Truppen an die Hauptstadtrief dort einen völligen Umschwung der Gesinnung zugunsten desgestürzten Kaisers hervor. Die augenblicklichen Gewalthaber, diezuvor schon über die Auslieferung Napoleons verhandelt hatten,begannen eine andere Sprache zu führen. Sie erklärten Paris füruneinnehmbar und durch 100000 Mann verteidigt, die vom besten