des Einflusses Deutschlands auf die Handelspolitik fremder Länderliegt in jedem Falle auf der Linie des nationalen Interesses.
Nur das Programm der „Selbständigkeitspolitik", dasbisher allerdings nur bezüglich der Forderung der „intensivenPflege" der deutschen Landwirtschaft klar formuliert ist, soll imFolgenden auf seine Berechtigung hin untersucht werden.
Zuvor ist noch zweierlei zu bemerken.
1. Zunächst zur Auffassung Oldeubergs.
Man habe dieseu — schreibt Schmoller (Die Woche. 1899.Nr. 39) — falsch verstanden, wenn man aus seinen „freilich sehrschwarz malenden Zukunftsbildern" schloß, er wolle Deutschland „miteiner chinesischen Mauer umgeben, nichts hineinlassen, nichts hinaus-senden"; er sage nur, ein Staat dürfe „seine Landwirtschaft — wieEngland — nur dann zu Hause zerstören, wenn er gleichzeitig inseinen Kolonien eine neue Landwirtschaft unter dem sicheren Schutzeseiner Kanonen erziehe und schaffe."
Dxpressis vsrbis hat aber Oldenberg nur gesagt, daß diedeutsche Landwirtschaft so weit ausgedehnt werden müsse, daß sie dennationalen Bedarf voll decke. Dagegen hat er nicht — wie es nachden Ausführungen Sch mollers scheinen könnte — die Forderung der„neuen Landwirtschaft" in den Kolonien gestellt.
Diese Forderung widerspräche zwar dem Selbständigkeitsprograminkeineswegs. Abgesehen von dem ersten Satze betreffs des Fabrikaten-exports u. f. w. wird Oldenberg mit Schmoller übereinstimmen,wenn dieser schreibt:
„Wir müssen mit unserer wachsenden Volkszahl unseren Fabrikaten-export steigern, mehr Lebensmittel, Kolonialwaren, Wolle, Kulturmittelaller Art von außen beziehen. Es ist nur die Frage, ob wir beidieser Entwicklung, die uus immer wieder auf die See hinausführt unduns in friedliche und feindliche Berührung mit anderen Mächten, inKonflikte mit Konkurrenten bringt, diesen schutzlos gegenübertretensollten oder nicht; es ist die Frage, ob wir nicht durch Verträge oderBüudnisse, durch Kolonialerwerb, durch Zollunionen wenigstens einenTeil der Länder und Gebiete, auf die wir wirtschaftlich angewiesensind, uns politisch angliedern, sie in feste Beziehung mit uns, ge-wissermaßen unter unsere Kontrolle bringen sollen . . . Dazu brauchenwir eine starke Seemacht."
Aber jene Forderung der „neuen Landwirtschaft" in den Kolonienhat Oldenberg doch nicht gestellt. Vielleicht deshalb nicht, weil er— ebensowenig wie Schmoller — zu sagen wüßte, wie sie verwirk-licht werden könnte?