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Um ein dauerndes Versiegen der Nahrungsquellen wahrscheinlichzu machen, verweist man auf „die ungeheure Steigerung derZahl der Münder, die von einer und derselben Erde gesättigtsein wollen; nicht nur iu den alten Industriestaaten, sondern auchin den Nahrungsländern selbst. Man bedenke, was es heißen will,wenn allein in Vorderindien 1881—1891 die Bevölkernng um271/2 Millionen zugenommen haben soll; das ist etwa so viel wiedie ganze damalige Bevölkerung des preußische» Staates. VouOstasieu und Nußland mit seiner gewaltigen Volkszunahme, vonAustralien, Afrika, Südamerika will ich nicht sprechen. Aber West-europa allein, mit Nord- und Mittelamerika, liefert einen jährliche::Bevölkerungszuschuß von 4 Millionen" . . . „Es wird von denStaaten, die (bisher) Getreide ausführten, einer nach dem andernausscheiden, wie gegenwärtig Österreich-Ungarn auszuscheiden imBegriff ist.")
Die rapide Volkszunahme ist nicht zu leugnen. Es erscheintsicher, daß, wie Frankreich und Deutschland , so auch künftig nochandere Länder — zunächst vermutlich Österreich -Ungar:: — ausder Reihe der „Nahrungsländer" ausscheiden, ihr Korn den eignenMündern zuführen werden statt fremden. Aber werden nicht stattihrer andere Länder eintreten, bezüglich einige der Länder, dieheute schon Korn ausführen, künftig weit mehr ansführen wieheute?
Nicht mehr in dem Maße, wie damals als es gesprochen wurde,aber uoch immer gilt das Wort Benjamiu Franklins, daß die Erdeeiner großen Wüste gleiche, unterbrochen durch einzelne Knltnroasen.Vorderindien, Japan , Teile von China — der Osten der VereinigtenStaaten Nordamerikas — Westeuropa stellen die größten dieserKulturoasen dar, neben denen, hie und da verstreut, noch vieleandere, kleinere, liegen. Aber gewaltige Massen Bodens harrennoch des Pflnges, gewaltige Massen Bodens hat er nur erst geritzt.
„Der Wirtschaftsgeograph wird uus belehren, daß die Ergiebig-keit der Erde noch einer unendlichen Steigerung fähig sei, wennauch die Zukuuft Sibiriens überschätzt sein mag, nnd wenn auch