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Weltwirtschaft und Volkswirtschaft / von Heinrich Dietzel
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Länder wie China und Japan schon jetzt unerhört intensiv bewirt-schaftet werden." i)

Selbst in Europa giebt es noch Länder genug, die nichtsweniger als intensiv bewirtschaftet werden, und in denen noch großeFlächen unbebaut sind. So wenigstens gebietsweise dieitalienische und die iberische Halbinsel, die Donaustaaten, Nußland.

Mag sein, daß, wie die Verhältnisse derzeit liegen, Rußland außer Stande ist, künftig wesentlich mehr Nahrungsmittel an denWesten abzugeben wie heute, sein Kornexport vielmehr demnächsteine fallende Linie zeigt. Daß aber seine Ergiebigkeit noch eineraußerordentlichen Steigerung fähig ist, steht außer Zweifels) Einbeträchtliches Plus an Nahrungsmitteln ließe hier sich gewinnen,wenn ein liberaler Geist in die Verfassung und, was weit wichtigerwäre in die Verwaltung des Zarenreiches käme wenn diekollektivistische Bodenverfassung derkapitalistischen " wiche wenndas intellektuelle, moralische, Physische Niveau derMuschiks" sichhöbe. wenn ein rationellerer Betrieb in der Landwirtschaftplatzgriffe und das Bleigewicht der Fabrikatzölle, das sie so langehat tragen müssen, ihr abgenommen würde ^) wenn das Eisenbahn-

Oldenberg, S. 28.2) Vgl, v, Schulze-Gävernitz, Volkswirtschaftliche Studien aus Ruß- 'land, S. 693.

Von der Ackerfläche Rußlands liegen alljährlich noch 40-60 inBrache ... jede leichte Steigerung der Getreidepreise bewirkt nicht nur, daßneue Länder in Anbau genommen werden, sondern auch daß die altbebautenintensiver bestellt werden."

6)Allen Beobachtern ist die Schlechtigkeit der Werkzeuge der russischenLandwirtschaft aufgefallen. Der Bauernpflug mit seinen wenigen Eisenbestand-teilen Pflügt nicht tief genug. . .. Die Routine hindert den Übergang zu bessernWirtschaftssystemen. Nur ein Viertel der Oberfläche Rußlands ist für denAckerbau verwendet" nach Schulze-Gävernitz (S. S93) allerdings etwa4»Davon liegt, weil die Dreifelderwirtschaft fast überall vorherrscht, einungeheurer Teil von 30-40 Will. Deßjatinen (d. h. 100120 Mill. preußischerMvrgen) brach. Nur in einem Teil der Steppe, in Polen, in den Ostsee -Provinzen besteht die Fruchtwechselwirtschaft."

Der schlimmste Feind der russischen Bauern ist die Macht der Tradition,die Abneigung gegen das Düngen. . . . Die Mennoniten an der Wolga bestellenihr Land vortrefflich, düngen reichlich und haben infolgedessen große Ernteerträge,Die benachbarten russischen Bauern , .. Pflügen nachlässig, düngen nie, undhaben daher fortwährend über Mißernten zu klagen. . . . Das mit den glänzend-