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Weltwirtschaft und Volkswirtschaft / von Heinrich Dietzel
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netz, das, allerdings stark ausgedehnt in den letzten drei Dccennicn,doch auch heute noch viel zu weite Maschen aufweist/) mehr undmehr sich verzweigte und gleicherweise das der Vervollkommnungnoch bedürftigere Kaualnetz (z. B. durch den Bau des projektiertenKanals von der Ostsee zum Schwarzen Meer ).

Wer hätte anfangs der sechziger Jahre das rasche Wachstumdes Korncxports vorausgesagt, das dank der socialen ReformenAlexanders II. , der Milderung des Schntzzollregimes, der Melio-rationen im Verkehrswesen, eintrat wer vermochte heute zu be-stimmen, wie impulsiv ein Wicdereinlenken Rußlands in fortschritt-liche Bahnen auf die Agrarproduktion wirken würde!

Selbst in Europa ist noch viel mehr Brot wie heute für dierasch sich mehrendeZahl der Münder" zu finden. Und inAsien ?

Binnen Kurzem wird die transsibirische Pacificbahn die Zu-fuhr von Cerealien nach Rußland wesentlich erleichtern; und damit

sten Resultaten gekrönte Beispiel der Mennoniten hat auch den Großgrundbesitzjener Gegenden nicht ans dem Schlendrian aufgerüttelt; auch hier wird nichtgedüngt, vielmehr der Dünger als hindernde Last beiseite geschafft (Kenßler,Gemeindebesitz, III, S. 223). In Gegenden, wo Steinkohle gewonnen wird,heizen die Bauern mit Dünger (Schulze?Gävernitz). Die Kompostbereituug,vielen Landwirten nur dein Namen nach bekannt, gelangt nur selten zur Aus-führung und vor der Anwendung menschlicher Fäkalien zur Düngung schreckennoch viele Landwirte aus reiuem Vorurteil zurück. Asche, Gips, Kalk, Mergel,Phosphate . . . haben nur eine äußerst seltene und beschränkte Anwendung.Knochen werden in Massen exportiert, statt daraus Knochenmehl für die russischeLandwirtschaft zu machen. Es giebt mächtige Strecken, die reich sind an Phospho-riten, aber sie werden fast gar nicht ausgebeutet."

Gegenüber solchen Defekten der Intelligenz . . ., angesichts des fastüberall . .. betriebenen Raubbaues ... ist die Klage über Mangel an Landrecht verwunderlich. . .. Die Extensität der Landwirtschaft erklärt den ge-ringen Ertrag der Arbeit viel deutlicher." (Aus dem ArtikelAgrar-reformen in Rußland ", Beilage zur Mg. Ztg., 189S, Nr. 2S7.)

Oldenberg schreibt:von occupierbarem Lande wie früher in Nord-amerika sei in Rußland nicht die Rede" (S. 21). In dem Maße wie dortallerdings nicht. Worauf es ankommt, ist, daß die Produktivität der agrikolenArbeit ans bereits occupiertem Lande noch außerordentlich gehoben werden,der Rohertrag noch gewaltig gesteigert werden kann, ohne dasGesetz des ab-nehmenden Ertrags" auszulösen.

i) Schulze-Gävernitz, S. 593.