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Weltwirtschaft und Volkswirtschaft / von Heinrich Dietzel
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werdeil in Nußland Kornmengen, die bisher zur Speisung desrussischen Volks gebunden waren, frei werden.') Wie große, ist heuteschon zu berechnen unmöglich. Nach einer Schätzung würden zufolgeder Erschließung durch jene Bahn 300 000 ^Km, dreimal so viel alsdie ungarische Tiefebene umfasse, anbaufähig werden^): nach deroffiziellen Kalkulation^) sind an anbaufähigem Lande abgesehenvon dem, das nur mit größeren Kosten (Entwässerung, Bewässerung)in diesen Zustand versetzt werden kann verfügbar in Westsibirienetwa 6000 Quadratmeileu, in Ostsibirien im engern Sinne (d. h. inden Gouvernements Jennisseik nnd Jrkutsk) etwa 5000, im Amur-gebiet etwa 9000, im Steppengeneralgouvernement, das die Bahnnur in nördlicher Grenzlinie berührt, etwa 1000; außerdem nochgeringere Flächen auf den Oasen in dem ausgedehnten Steppen-gebiet im ganzen rund 24000 Quadratmeileu, d. h. ein Areal,das ungefähr dem von Deutschland, Frankreich, Italien zusammen-genommen entspricht.^)

Vgl. Schulze-Gävernitz, S. 594/6: das Maß des Exports seinatürlich bedingt durch den Getreidepreis und die Transportkosten, d. h. vorallein durch die Tarifsätze der Bahn.

Die russischen Landwirte befürchten eine verderbliche Kornkonkurrcnz ausdem russischen Markte (vgl. Nationalztg., 16. März 1900).

2) Schon, Über die Ziele Nußlands in Asien , 1899.

°) Sibirien und die große sibirische Eisenbahn. Bericht des russischenDepartements für Handel und Manufakturen, 1893, (russisch und englisch ).

4) Vgl. anßer den genannten Werken noch die Artikel im Export, 1897,S. 427, u. 1898, S. 498; Nation, 1894, S. 740; Gewerkverein, 1899, S. 28Z.I. Wolfs, Die Verhältnisse der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert, S. 12.

Oldenberg schreibt (S. 21):die agrarische Zukunft Sibiriens ist weitüberschätzt worden; man hat neuerdings (Jahrb. f. N.-O. III. F., Bd. 12,S. 354) berechnet, daß bei dem jetzigen, durch die Eisenbahn beschleunigtenTempo der Wanderungen Sibirien in 2025 Jahren besiedelt sein wird."

Solche Prophezeiungen bezüglich des BesiedelungSteiupo sind recht unsicher weit unsicherer als die Berechnnngen bezüglich des Umfangs des anban-,fähigen BodcnS. Es kommt aber gar nicht auf das BcsicdlungStempo ansondern auf daS Maß der Produktivität der agrikolen Arbeit derBesiedler! Als in Nordamerika die innere Kolonisation durch den Ausbau desEisenbahnnetzes beschleunigt ward, schwoll der Cerealieuexport gewaltig an; jeweiter die Besicdelung um sich griff, desto größer wurde der zur Ausfuhr ver-fügbare Überschuß. Warum sollte dies in Sibirien anders sein? Für vor-läufig nicht absehbare Zeit wird hier das Wachstum derZahl der Münder",m. a. W. der Kousumtiou, überholt werden durch das Wachstum der Produktion,

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